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Ephemere

Viaggio nel tempo oder auch spieldynamisch vorwärts strebend

Salvatore weiß ja, daß ich zu dieser kühlen Jahreszeit meist ein wenig romantisch gestimmt bin und auch Mal gerne in meine fremde Heimat, nach München fahre, möglichst dann, wenn die Münchner Innenstadt verschneit ist. Obwohl ich den Eindruck habe, daß die Weißfärbung der Häuserdächer und Gehwege in den letzten Jahren zunehmend seltener geworden ist; meist herrscht ja Schmuddelwetter mit kriechend, feuchter Kälte, die den Körper erschaudern läßt und die Sinne für jegliche empfindsame Offenheit, für das Schöne und andere edle Verfeinerungen, bezwingt. 

Eigentlich hatte ich geplant von Lugano nach München zu fliegen, aber in Salvatores V-Klasse mitzufahren, der sich auf dem Weg von Süditalien nach München wegen eines Geschäftskunden befand, erschien mir als ein wesentlich amüsanteres Vergnügen. Darüberhinaus ist da noch die Freude ihn nach so langer Zeit wiederzusehen, diesen vitalen und immer ein wenig potenziell aggressiv erscheinenden Italiener aus Neapel, der nicht nur wegen seiner Herkunft aus dem entfernten, heißen Süden jedes Mal schillernd, fremd, faszinierend auf mich wirkt. 

Er ist das personifizierte Selbstbewußtsein, das sich auch im Stolz auf seinen Namen widerspiegelt - wie er sich selbst zu zitieren weiß: SALVATORE, il nome di dio -  und auch in seinem Aussehen, den feinen, eleganten Gesichtszügen, die in einer Fabel von La Fontaine dem schlauen Fuchs zugeschrieben werden könnten, weil die dunklen Augen kohlengleich den brennenden Geist widerspiegeln und die am Kopf anliegenden, glänzend schwarzen Haare ihm jene Strenge geben, die die energisch geschnittene Nase und den sinnlichen Mund besonders betonen. 

Wir kennen uns schon länger, aber seitdem er Deborah, die Sizilianerin, an seiner Seite weiß, sind seine Besuche bei mir seltener und kürzer geworden. Wir haben nie darüber gesprochen weshalb, so darf ich spekulieren, daß Deborah seine tagelangen Aufenthalte bei mir alleine nicht  so gerne sieht und er wird für seine neue «amore» gerne eine zeitlang resignieren und stattdessen für sie ein castello aus Träumen bauen. 
Dabei wird es diesem anspruchsvollem, urbanem Ex Jungesellen, der als Zeitwiderständiger immer noch cocktails schlürft wie er Literatur und Musik einsaugt, und so raucht wie es in den vergangenen Jahrzehnten im Bild der Öffentlichkeit üblich war, diesem Genußmenschen wird es nicht an Gelegenheiten mangeln den entspannten Umgang mit seinem körperlichen Begehren weiterhin zu kultivieren.

Er lebte das bei mir aus, was wir bei Héléne Cixous, unter anderem an Gedanken zur Geschichte des Phallozentrismus lesen.

Die Frau dient dazu dem männlichen Partner, in seiner Präsenz als Aktiver, ein Spiegel zu sein, und während sie dies für ihn tut, muß sie verschwinden, um ihn den imaginierten Profit erlangen, den vorgestellten Sieg erringen zu lassen. 

Die „gute Frau“ ist also jene, die ihm einerseits lange genug widersteht, um ihn beides fühlen zu lassen, sein Begehren und seine Macht über sie, wie auch, um ihm dabei die Freude des Genusses zu geben, und hierdurch ohne zuviele Hindernisse zu sich selbst zurückzukehren, was er dann auch tut, nachdem er in der gemeinsamen Interaktion größer geworden ist und (erneut) sein großartiges Ich fühlen kann.

Anscheinend stimmen viele Frauen diesem Spiel zu, erfüllen ihren Part, den des Objektes, vielleicht auch, weil sie wissen, daß er das männliche Begehren, diese Mixture von Unterschiedlichkeit und Ungleichheit, schürt und…….sie, die Frau, in Kenntnis und Verständnis des Spiels, versteht es möglicherweise auch dabei ihre Lust dabei zu leben, wer weiß?

Als Salvatore und ich uns in Mailand bei Saint Laurent trafen, wo wir uns verabredet hatten, um gemeinsam von dort aus die Fahrt in den Norden zu beginnen, war es völlig überflüssig ihn nach der Begrüßung auf die zurückliegende Aktualität seines famosen Namens anzusprechen.  

Vergnügt erzählte er gleich während der ersten Gesprächsminuten davon, daß „Salvator mundi“  von Leonardo da Vinchi, „il piu dotao dipinto“, nun von Europa ins Morgenland verkauft worden sei, was wieder einmal beweisen würde, daß seine Mama, die nicht nur die Beste und Anbetungswürdigste ist, abegesehen davon, daß sie auch die beste pasta weit und breit kocht, einfach das Richtige getan hatte, ihn mit diesem besonderen Namen zu taufen. Wenn der Glanz des Gönners einen salbt…

Wir hatten den etwas ungewöhnlichen Treffpunkt vereinbart, da mich Barbara, eine sehr liebe, engagierte Verkäuferin angerufen hatte -  groß, blond, immer im Schwarz von Laurent anzutreffen - , die ein paar exklusive Stücke direkt aus Paris nun in Mailand habe, die sie mir gerne vorstellen wolle, bevor sie dann in den allgemeinen Verkauf gestellt würden. 

Da Salvatore ohnehin von Süden herkam, war Mailand ein guter Ort sich zu treffen, wenn auch die Wahl, ein Ladengeschäft als Treffpunkt auszusuchen, nicht unseren bisherigen Gepflogenheiten entsprach. 

Ungewöhnlicherweise war er einige Stunden früher in Mailand angekommen als gedacht und so mußte er jetzt eben ein bißchen auf mich warten. 

Wenn ich nämlich erst einmal beim Anprobieren bin, verstreichen gerne ein paar Stunden, zumal Barbara und ich uns dabei gut amüsieren können: je ausgefallener die reservierten Teile sind, umso größer ist die Überraschung zu sehen wie gut manches der Modestücke aussieht und zudem wird die lebhafte performance durch gegenseitige Anspielungen und phantasievolle Bilder angereichert, die davon erzählen wo wir, wenn wir ausgingen, dieses und jenes Teil mit welcher dazu passender Haarfrisur in edler Begleitung tragen und zeigen würden. 
Diese überschwenglichen Geschichten, manchmal mit einem Gläschen Prosecco versehen, lassen die Zeit zerfließen, elegantes Nichtstun eben.

Nach der herzlichen, wie ritualisierten Begrüßung nach italienischer Art - drei Küßchen an die Wange gehaucht - ging ich bald darauf in eine der Umkleidekabinen, dorthin, wo ich bereits den schwarzen Lederoverall auf dem separat aufgestellten Kleiderständer hängend, gesehen hatte, der mir schon am Telefon von Barbara leidenschaftlich beschrieben worden war.

Daneben hingen ein paar Cocktailkleider in sattem Schwarz und Gold, eines davon mit üppig, starren Stoffschichten, die einen Träger zum abstrakten Flügel formten, das andere leicht dahinfließend. Dann noch ein kleines, süßes Nichts, das an einem wie es schien, überdimensioniertem Bügel hing, nämlich die zwei Dreiecke des leicht, schwebenden Leder BH´s,  und …..die blaue Pelzjacke im wunderbar strahlendem Yves Klein Blau. 

Sie kennen es, das besondere Blau? 

Es ist jenes umwerfend, intensive, monochrome Ultramarinblau, das man bei Sonnenschein am Strand von Nizza liegend, in die unendliche Ferne blickend, sieht, dorthin wo Meer und Horizont aufeinander treffen, so ein Blau, in welches man sich buchstäblich hineingezogen fühlt und das sich der Künstler Yves Klein als International Klein Blue (I.K.B.) patentieren ließ. 

Oftmals kann man ja den modischen Versuch einer billigen Wiedergabe auf den Wühltischen sehen, aber manchmal ist eben auch die edle Variante zu finden und so eine war die blaue Polarfuchsjacke mit ihren enorm ausgearbeiteten Schultern, die an die Mode der 80er Jahre erinnern - Grace Jones. Der intensive Blickfang war garnicht zu übersehen.

Zwischenzeitlich lud Barbara Salvatore zu einer Tasse Espresso und einem Glas Wasser ein, was sie ihm beides auf einem jener typischen Tabletts servierte, die aufgrund von Form und Farbe selbst so ein einfaches Arrangement von transparentem Wasser und hasenußfarbener Caffécrema zu einem Stilleben werden lassen, zusammen mit einem dieser kleinen Stückchen dolce. Ich glaube es war ein Amaretto.

Er setzte sich damit auf einen der schwarzen, ledernen Polsterhocker, zündete sich unter den strengen, sanktionierenden Blicken der Verkäuferinnen eine Zigarette an, die jedoch genauso wenig zu ihm sagten, wie wenn einer der vorgeblich interessierten Einkäufer das Geschäft betritt, weniger als casual gekleidet mit eindeutig nicht europäischen Hintergrund, der einzelne Kleidungsstücke und Labels mit Materialzusammensetzung und Größenangabe gründlich abfotografiert, nebst Detailbildern von Knöpfen, Reißverschlüssen und Nahtführung, die er seinem Handy zu schlucken gibt und ins Nirgendwo sendet, so daß jedem noch so dummen Beobachter dabei klar wird, daß hier keinerlei Kaufinteresse besteht. 

Im Schweigen der Anwesenden aufgehoben saß Salvatore unbeeindruckt, rauchend, Kaffe trinkend, wirkte wie ein Objekt im Raum, fremd und zugleich in seinem schwarzen Anzug mit weißem Hemd wie zum Ambiente gehörend, very laurent. 

Ein schöner Mann, der jeden neu eintretenden Besucher diskret, aber aufmerksam beobachtete und zwischendurch etwas in sein Handy tippte, bis ich dann und wann mit einem neuen Kleidungsstück ankam und seine Aufmerksamkeit auf mich zog.

Auf meine Frage wie ihm das Teilchen an mir gefallen würde, erhielt ich meist jenen überschwenglichen, italienischen Beifall, der bei der blauen Pelzjacke kaum durch  schwärmerische Worte gesteigert werden konnte, sondern vielmehr im unverhüllten Wohlgefallen seiner Augen zu sehen war.

Salvatore, mit Deborah an seiner Seite und manch anderer amüsanter Gespielin, besucht mich hin und wieder gerne. Insofern ist Deborah eine jene emanzipierten oder einfach nur betont physischen Italienerinnen, die bei entsprechenden Gunstbeweisen seinerseits nicht spröde sind und wir verbringen zusammen vergnügliche Stunden luxuriöser Gaben jenseits der Logik von Erwartung und Dankbarkeit, von Forderung und Schuld. 
Aber einen Pelz verschenken, ich bitte Sie!

Bei der letzten Gartenparty des zurückliegenden Sommers hatte ich vergessen meinen kleinen, weißen Pelz zu tragen und mich danach auch entsetzlich erkältet, was meine soubrette dann in einigen Tagen der zärtlichen Fürsorge, mit Fahrten zur Apotheke und zahlreichen Tassen heißen Tee´s wieder ins Lot brachte, zumal sie eines Abends, als ich nach einem heißen Bad ins Bett wollte, sogar so lieb gewesen war und bereits in meinem Bett lag, um es angewärmt an mich zu übergeben. Wir verbrachten dann auch in dieser liebevollen Geste der gegenseitigen Erwärmung die Nacht, bis sie mich zu später Stunde alleine weiterschlafen ließ.
Wie hätte ich da nicht schnell wieder nach nur wenigen Tagen genesen können?

Also das hübsche, blaue Fell sollte für heute erst einmal nicht mein Reisegepäck nach München erweitern, obwohl nur schon mit den Fingern durch das üppige Haarkleid zu streichen, dabei die Augen geschlossen, um den Genuß vollständig ohne Ablenkung in mir erfühlen zu können, eine außergewöhnliche, ja fast erregende Empfindung hervorrief, die nur eine Abschiedsgeste auf Zeit sein sollte.

Da ich mich nicht entschließen konnte einen anderen Schwerpunkt unter den ausgewählten Teilen zu setzen, lag die Lösung ähnlich wie beim Neun- Punkte-Problem  außerhalb, nämlich bei ein paar Minuzien, die zwischen all den Kleidern und Schuhen immer wieder hübsch dekoriert in einer Glasvitrine lagen und dadurch manchmal den Charakter eines musealen Ausstellungsstückes erhielten: neben einem fétiche belt, wie ein schlichter schwarzer Gürtel verheißungsvoll ob seiner vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten auch genannt werden kann und einer schmalen, neon-gelben ceinture, die besonders zu meiner bevorzugten Kleiderfarbe schwarz hervorragend paßt, fand ich auch noch eines jener für Laurent typischen, opulenten Schmuckstücke; so eine schwere Gliederkette, die nahe am Hals getragen, diesen mit ihrem Gewicht so fühlbar umschlingt, daß man sich dabei kaum selbst vergessen kann.

Nicht zuletzt war da noch der breite Ledergürtel, auf den mein Blick gefallen war als ich das rote Kleid auf dem Bügel entdeckte. Bei ihm war ich mir sicher, daß er auf mich „gewartet“ hatte und was gibt es Aufregenderes bei Einkaufen, wenn sich nach einer kurzen Phase der suchenden und wägenden Betrachtung allmählich das sichere, ruhige Gefühl der Gewißheit einstellt und ein „objet petit a“, das wir von Jacques Lacan als Objekt des Begehrens kennen, Anlaß wird für einen fast schon sachlichen Kauf, als wäre die entschiedene Nüchternheit ein zusätzlicher Hinweis dafür, daß sich der Erwerb als Investition in einen selbst darstellt, die weit über den tatsächlichen Preis hinausgeht.

Der Gürtel aus schwarzem Schlangenleder mit seiner großen, runden Silberschliese, deren Kreisform sich aus dem schuppigen Körper formt, mit einem Schlangenkopf, dessen weit geöffnetes Maul die Zähne zeigt.

Spontan fällt einem ja bei dem Motiv die verführerische Eva ein, die nach einem Gespräch mit der schlauen Schlange Adam im Paradies dazu einlädt, ebenso wie sie selbst, von den Früchten des Baums der Erkenntnis zu kosten.

Es ist die Urszene des Zusammenhangs von Begehren und Sünde für das theologische Denken, der Sündenfall, (Gen 3,1-6), die Erbsünde Evas, die uns bis heute in die Sexismus Diskussion führt. 

Mir dagegen erscheint die Geschichte vom magischen Gürtel der Aphrodite weitaus unbeschwerter. 
Aphrodite verdankt ihm ihre erotische Anziehungskraft und ihren unwiderstehlichen Liebreiz, so daß ihr Mann Hephaistos, der ihn ihr aus Gold und Edelsteinen gefertigt hatte, nicht der einzige war, der ihr erlag. So ein breites Lederband auf nackter Haut mit kräftiger Metallschliese, die kühl auf dem Bauch aufliegt, kann ja auch eine magische Wirkung entfalten, sogar für die Trägerin.

Und manchmal braucht es garkeinen Gürtel, da ist ein banaler Reißverschluß Anlaß für eine kleines Zwischenspiel:

Da stand ich vor Salvatore, bekleidet mit dem tief schwarzen, matt glänzendem ledernen Overall, der, weit und bequem geschnitten, sich mit seiner samtig weichen, wildledernen Seite geschmeidig auf meine nackte Haut legte, daß er als komfortabler Hausanzug hätte durchgehen können, wenn mir da nicht im selben Moment der Gedanke an Karl Lagerfelds Zitat durch meinen Kopf geblitzt wäre: 
„«Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren», so daß sich dadurch schlagartig mein Blick auf das chic Teil änderte. Und, wäre da nicht auch noch der lange Reißverschluß im Rücken gewesen, der alleine nicht zu öffnen war...

Barbara hatte zwischendurch einen anderen Kunden zu bedienen und daher begleitete mich Salvatore in die Kabine, um mir beim Auskleiden behilflich zu sein, worum ich ihn gebeten hatte. 

In der  großzügigen Umkleidekabine sah ich ihn im Spiegel hinter mir stehen, den Anfang des Reißverschlusses am Hals suchend, während ich meine langen, offenen Haare bündelte und nach oben hielt. Dabei strich er zu meiner Überraschung zärtlich über meinen Nacken, um dann mit den Fingern der rechten Hand über die vom Leder unbedeckten Schultern zum Dekolette zu wandern und in der warmen Spalte zwischen meinen Brüsten einen jener Dufttropfen aufzunehmen, der sich in der Hitze des kleinen Raums unter den heißen Halogenstrahlern beim Kleiderwechsel einstellt, der ihm nicht ganz unbekannt war und welchen er schon längst wieder einmal gespürt haben wollte, wie er in Wort und Blick mit einem vielsagendem Lächeln in den Spiegel bekundete.

Dabei drückte er seine Lenden an mein Gesäß, so daß ich seine Erregung durch die Stoff- und Lederschichten spüren konnte, jene schmeichelnde Berührung, die sich ebenso plötzlich wie willkommen in mir als fiebrige Neigung fortsetzte, so daß sich mir jene körperlichen Empfindungen aufdrängten, die den Wunsch erzeugten ihnen nachgehen und mich öffnen zu wollen.

Aber weder waren dies der Ort, noch die Umstände als bezahlte Gefährtin an seiner Seite, um seiner heftigen drague zu entsprechen, so daß ich mich lediglich unter seinen Blicken von dem komfortablen, wenn auch edlen Freizeitlook trennte.
Nun, wer weiß, wir hatten ja noch einige Stunden gemeinsamen Weges vor uns.

Barbara versteht es immer wieder hervorragend die jeweils ausgewählten Stücke so aufwendig wie stilecht ins dunkle Seidenpapier einzuwickeln, sie dann kunstgerecht in die schwarz-weiß gefütterten Stoffsäckchen mit den dazu passenden Schachteln zu verhüllen, so daß es zur zweiten Freude wird, wenn die Teilchen zuhause entpackt werden, was meine soubrette bevorzugt für mich macht und dabei die unschuldige Vorfreude genießt, was sich da allmählich aus den schwarzen Hüllen schält, wenn ich ihr nicht schon zuvor davon erzählt hatte. 

Dieses Mal würde sie meine Rückkehr aus München abwarten müssen, was sie nur noch neugieriger werden ließ, denn wir würden uns vorher nicht mehr sprechen; so wußte sie nur von meinem Treffen mit Salvatore, aber weiter nichts.

Freudig gestimmt verließ ich das Geschäft, in der einen Hand das kleine schwarze Tütchen mit den Kleinigkeiten, samt minaudière, mit der anderen bei Salvatore eingehakt, gingen wir zügig durch die Sant´Andrea. Mir war scheußlich kalt, so leicht bekleidet wie ich war, mit entblößten Fesseln in den schmalen, hohen Schuhen, aber Salvatore meinte, das Auto sei nicht weit entfernt geparkt.
Auf dem Weg dorthin kamen wir an einem Graffitti vorbei, das Salvatore reizte die unziemlich frivole Bemerkung zu machen, ob ich nicht Inspiration für das Plakat gewesen sein könnte?
„my cunt is wet from shopping.“ stand darauf und in demselben Moment mußte ich mir eingestehen, es hätte keinen passenderen Augenblick geben können, so eine Frage zu stellen. 

Warum mußte Salvatore immer so unverholen direkt sein und hatte das Plakat samt Aufschrift nicht geflissentlich übersehen können? Er pflegt eben seine ihm eigene Kultur der Unberechenbarkeit und liebt solche einfachen Vergnügen. Wie hatte ich das vergessen können?

Gerade jetzt, berauscht von der Idee Aphrodite´s Gürtel entdeckt zu haben, wie ein objet trouvé, das in der künstlerischen Weiterverwendung seine neue Bestimmung erhält, und bei mir eben in der Selbstgestaltung, in so einem bewegendem Augenblick ist eine derartige Frage so unerwartet wie intim, die mir das Ineinander von Ergriffenheit und Erkenntnis wieder einmal sehr deutlich aufzeigte.

Es könnten unterhaltsame, wie vielversprechende Stunden mit Salvatore auf dem Weg in den Norden werden, sollte ihm es ihm weiterhin gelingen mit seiner überwältigenden Direktheit das zu erreichen, dessen Gegenteil wir ja alle so oft erleben, wenn man sich von allgemeinen Weitschweifigkeiten gelangweilt fühlt und sie einem tot vorkommen, uns aber der echte Ausdruck lebendig berührt und sich vielleicht über den Zwischenschritt der „dunklen Sinneswahrnehmung“, die klare und deutliche Erkenntnis einstellt, wie Alexander Baumgarten, den wir von der Ästhetischen Philosophie kennen, das einmal so wunderbar formulierte.