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ZEIT.geschehen

Sexappeal - have, pia anima


Worte! Worte! keine Taten!
Niemals Fleisch, geliebte Puppe,
Immer Geist und keinen Braten,
Keine Knödel in der Suppe!
Doch vielleicht ist dir zuträglich
Nicht die wilde Lendenkraft,
Welche galoppieret täglich
Auf dem Roß der Leidenschaft.
Ja, ich fürchte fast, es riebe,
Zartes Kind, dich endlich auf
Jene wilde Jagd der Liebe,
Amors Steeple-chase-Wettlauf.
Viel gesünder, glaub ich schier,
Ist für dich ein kranker Mann
Als Liebhaber, der gleich mir
Kaum ein Glied bewegen kann.
Deshalb unsrem Herzensbund,
Liebste, widme deine Triebe;
Solches ist dir sehr gesund,
Eine Art Gesundheitsliebe
( H.Heine )


Vor einigen Tagen war ich noch in Davos, Sie wissen ja, und in den Medien wurde ja ausführlich darüber berichtet. Es ist dort ein großes Spiel, voller Aktivität, mit festen Regeln und dennoch ist genug Platz für das Schöne. 

An solch einem Ort fühlt man sich wie Beatrice bei Dante oder Laura bei Petraca.

In diesen Tagen konnte ich nachfühlen wie es Kalypso auf der Insel Ogygia ergangen sein mag, als sich Odysseus bei ihr wohlfühlte, bis schließlich Hermes auftauchte und meinte ihr mitteilen zu müssen, daß der Spaß nun ein Ende haben sollte. 

So war mir auch am Ende der Woche, als ich das verschneite Hochsicherheitstal wieder verließ, um nach München zu fahren. 
Ab Lindau stellte sich ein harter Wechsel ein, was nicht nur an der anderen Fahrweise auf der deutschen Autobahn zu bemerken ist.

Nach nur wenigen Stunden Fahrzeit steigt man aus seinem Wagen und fühlt sich an einen Ort des niedergedrückten Untertanentums versetzt und ich hatte den Eindruck, daß in Deutschland die Politik das seit geraumer Zeit nicht nur ignoriert, sondern, daß diese Stimmung einigen Leuten, für ihre Zwecke, durchaus gelegen ist.
Wenn man bei so unfreundlichem Wetter über den Münchner Marienplatz geht, so scheint die bevorzugte Modefarbe Schwarz zu sein. Aber es ist nicht einmal ein richtiges tiefes Schwarz und ich hatte den Eindruck, daß man bei der überwiegenden Plastikbekleidung sogar an den Farbstoffen für das Schwarz gespart hat. 

Ich bin trotz des naßkalten Wetters für einge Zeit stehen geblieben, an diesem neuen U-Bahneingang, direkt unter dem Rathausbalkon, bei dem man nicht versäumt hatte auch sogleich eine jener Überwachungskameras aufzustellen, die ja jetzt alles und jeden überwachen. 

An dieser Stelle wo vor noch wenigen Jahren um dieselbe Zeit Männer vorübergingen, die ihren Mantel von Lodenfrey trugen mit einem elegantem Kaschmirschal und bei Schmuddelwetter ihren Kopf mit einem Hut bedeckten, dominieren heute billigstes Wischiwaschi Schwarz, Turnschuhe und tief ins Gesicht gezogene Kapuzen den Marienplatz.
Aber es scheint keinen zu stören, daß alle gleich aussehen, wie die Leute früher in Maos China.

Vielleicht steckt hinter dem billigen Erscheinungsbild der vorrübergehenden Menschen das Geheimnis dieser neuen deutschen Epoche, dachte ich mir. 

Eine Epoche, die keine Seele mehr hat, vielleicht noch Zeitgeist, vielleicht noch technischen Fachhochschulverstand, der den Erfolg der Exportnation zu erklären vermag, doch das letzte Geheimnis des Empfindens ist ihnen offensichtlich abhanden gekommen, sie scheinen das ganze Leben, ihr ganzes Leben mit Halbwissen aus ihren Smartphons erklären zu können. Vielleicht moralisieren sie deshalb auch so gerne oder müssen ständig in ihr soziales Netzwerk schauen, um den entstandenen Hohlraum damit zu füllen?

Sie glauben ihr Leben so formen zu können, wenigstens auf der Oberfläche, doch darüber scheinen viele die Tiefe darüber vergessen oder gar verloren zu haben und die anderen, die wenigen, verbergen es aus Wohlerzogenheit. 

In solcher Tristesse stellen sich Gedanken ein an die Unterhaltung der Männer, gleich zu Beginn von Karl Immermanns Buch, „Die Epigonen“:

„Was willst du in Deutschland?«
»Traurig für mich, wenn ich in Deutschland etwas wollte«, erwiderte sein Freund. »Als ob in unsrer mit Dünsten geschwängerten Atmosphäre ein Entschluß nur entstehn, geschweige denn ausgeführt werden könnte. Aber eben, weil ich nichts mehr will, tauge ich auch nirgend mehr hin, als nach Deutschland. Ich habe abgeschlossen mit dem Leben.“

Natürlich fühle ich mich (noch nicht) so, doch die Frage stellt sich schon, obwohl ich nicht das geringste Interesse daran habe mich an der moralischen Depravierung des gesellschaftlichen Zusammenhalts, ausgelöst durch die Neubürger, zu beteiligen.

Laute Männerstimmen, in einer Sprache die, auf Grund publizierter Ereignisse, in mir reflexartig den Fluchtinstinkt aktivieren, kamen plötzlich aus dem Aufgang der U-Bahn Station und holten mich aus meinen Gedanken.

Wieder zurück im Hotel, an der réception meinen Zimmerschlüssel abholen wollend, händigte mir der concierge, völlig unerwartet, zusammen mit diesem ein kleines Päckchen aus, was umgehend meine Neugierde weckte. 

Die Unterschrift auf der in einem Umschlag beigefügten Karte ließ mich sofort wieder in Gedanken nach Davos zurückkehren und ich bemerkte meinen beschleunigten Schritt zum Aufzug, um umgehend auf mein Zimmer zu kommen und das Päckchen zu öffnen.

In seinen Zeilen an mich bemerkte er noch die Worte eines seiner Kollegen, der zu ihm gesagt hätte:

„....man sah, daß sie selig und froh war und am Morgen, beim Frühstück, konnte man ihr noch das Glück der vergangenen Nacht ansehen.“ was ihn ebenso sehr glücklich gemacht und er den Gedanken mit in seine nächste Konferenz genommen hätte.

Aber sehen Sie selbst - es ist doch stets wieder schön, von Männern kleine Geschenke zu erhalten, die eine ohnedies schon intensive Erinnerung nochmals dauerhaft verstärken.

Das alte Sprichwort: „Wo immer ein Ethos ist, da ist auch Eros.“ bewahrheitet sich doch stets wieder.

Ich trage gerne schöne, reizvolle, hochwertige Wäsche und zeige mich auch gerne damit, doch ich habe zunehmend den Eindruck, daß dies heute gesellschaftlich als unerwünscht angesehen wird und sich die westeuropäische Frau eher bedeckt halten soll. 

Die Macher des „neuen deutschen Geschlechterbildes“ haben sich wohl an Thukydides erinnert:
„Die beste Frau ist die, von der man weder Gutes noch Schlechtes hört.“

So ganz anders, doch lebendiger war da der Gedanke des Schweizer Rechtshistorikers, Altertumsforschers und Anthropologen Johann Jakob Bachofen:

„...der Gefahr trotzen, jegliches Abenteuer suchen und der Schönheit dienen, ist ungebrochener Jugendfülle stets vereinigte Tugend.“

Ich halte diesen Gedanken für sinnfüllender, obwohl ich mir gut vorstellen kann, daß Jakob Bachofen das heute nicht mehr in der Öffentlichkeit sagen würde.

Das Lustvolle, das sinnlich Vergnügliche wird in der gegenwärtigen Zeit von drei großen Themen, jedenfalls für die Masse, in die Schranken gewiesen.

„Heiko Maas will „geschlechterdiskriminierende“ Werbung in Deutschland unterbinden und damit als Reaktion auf die Sex-Attacken in Köln ein „moderneres Geschlechterbild“ in Deutschland propagieren etablieren.“, war am 14.09.2017 unter der Überschrift „Maas – Der Minister und die Frauen“ bei Roland Tichy zu lesen.

Man muß es zugeben, das hat Herr Maas schon ganz gut geschafft mit Unterstützung der Medien und deren vorauseilendem Gehorsam. 

Die Frau in der Öffentlichkeit beschränkt sich jetzt schon (un)freiwillig in ihrem äußeren Erscheinungsbild und vermeidet ein freundlich, weibliches Auftreten was „Frau“ ja eigentlich entsprechen würde. Das zeigt sich heute als deutlich sichtbare Bestätigung für Herrn Maas, in der Straßenbekleidung wie beim Make-Up. 

Ich denke nicht, daß Herr Maas die Menschen nun plötzlich vor „geschlechterdiskriminierende“ Werbung hätte schützen müssen, sondern vielmehr, daß diese Maßnahme angeordnet wurde, da plötzlich Menschen in Deutschland herumlaufen für welche die europäischen Frauen das Klosett sind, in das sie ihre bloß animalische Ejakulation abladen wollen, da das Bestandteil deren Stammeskultur ist.

Die „Sex-Attacken in Köln“ und all die anderen darauffolgenden Abscheulichkeiten, die Tag für Tag doch irgendwie an die Öffentlichkeit dringen, zeigen in der permanenten Angst eben ihre Wirkung. Die Politik hat hier gute Verbündete zur Durchsetzung ihres „neuen Geschlechterbildes.“
So lastet ein grandioses Versagen deutscher Politiker wie ein Alp auf den Gehirnen der Frauen.

Zum Zweiten erhoben die Medien die „MeToo“ Bewegung in die Schlagzeilen, womit man wohl aufzeigen will, daß nicht nur sogn. Flüchtlinge en­ra­giert durch die Städte ziehen, sondern selbst prominente, weiße Männer Schweine sein sollen, womit sich dann doch alles wieder relativiert.

Doch, wenn man so geballt mit einem Thema konfrontiert wird, denkt man ja schon ein wenig darüber nach, über „MeToo“ oder  Frankreichs „balancetonporc“, die mit der mittelalterlichen Methode des öffentlichen Prangers jetzt Schicksal über andere spielen und dafür lebhaften Zuspruch aus Kreisen der obscuro loco nata erhalten.

Ein Blick zurück zeigt ja, daß mittelalterliche Strafverfahren stets auch den Zweck, dem Volke die Vergnügungen zu bereiten, erfüllten, die christliche Sittlichkeit und Humanität eigentlich nicht mehr zuließen, doch heute folgen selbst die Gerichte gewissen Grundsätzen der christlichen Sittlichkeit und der Humanität.

Es ist notwendig die bereits in vielen Verfassungen festgeschriebene Gleichbehandlung der Frauen gegenüber den Männern endlich durchzusetzen und sich nicht nur mit Worten zu schmücken. 

Die Rückkehr der Frauenbewegungen von „MeToo“ und „balancetonporc“ zur mittelalterlichen Methode des öffentlichen Prangers an dem dort Männer der Roheit des Pöbels preisgegeben werden, bringt ihnen, wie man tagtäglich sehen und lesen kann, eine große Zustimmung, die hierbei, wie schon im Mittelalter, ihr billiges Vergnügen außerhalb jeder christlichen Sittlichkeit und Humanität findet. 

Der „Sache“ der Frauen jedoch wird die oft Jahre oder gar Jahrzehnte zurückliegende, plötzliche Erinnerungseingebung an einen oftmals anderen Umgang zwischen den Geschlechtern, letztlich mehr schaden, jedoch keineswegs dienen.

In diesem Zusammenhang ist auch die Webseite:
„https://www.bundesjustizamt.de/DE/Themen/Buergerdienste/NetzDG/Service/Formulare/Anzeige/Formular_node.html“
der Bundesregierung zu sehen. 

Es wird ausreichend Menschen geben, die davon Gebrauch machen werden, um sich ihres natürlichen Bedürfnisses entledigen zu können.

Man erinnert sich hierbei an einen Bericht der Neuen freien Presse, vom Mai 1905, in dem berichtet wird was der Abgeordnete Heine am 12. Mai 1905 in seiner im Reichstag gegen einen Antrag des Zentrums gehaltenen Rede gesagt haben soll:

„Der Normalmensch — das wissen wir ja — ist bei uns der Denunziant, das ist bei uns das Mitglied irgend eines Sittlichkeitsdenunziantenklubs.“

Und weiter sagte der Abgeordnete Heine: “Mit deutscher Ehrlichkeit und Gemütlichkeit verträgt sich das Denunzieren nicht und noch immer darf man ungescheut einem Angeber öffentlich die Achtung verweigern.“

Ob „MeToo“ oder die Meldeseite der Bundesregierung, es ist alles nichts Neues und man erinnere sich nur, daß es in der DDR auch schon die  POZW gab. Die „Partner des politisch-operativen Zusammenwirkens“.

Und zum dritten das „neue“ deutsche Prostitutiongesetz, wobei man nur eine bessere Überwachung vor Augen hattte, es aber keineswegs um die Frauen, oder gar deren Wohl ging.

Schon Solon suchte die Ordnung des Geschlechtsverkehrs nutzbringend für den Staat zu machen, als er den Prostituierten die sogenannte „Hurensteuer“ auferlegte, die sie zwang, einen Teil ihrer Einnahme an den Staat abzuführen, was damals von den Agoranomen überwacht wurde.

Von Nikander von Kolophon wissen wir, daß Solon von den erzielten Einnahmen jedoch ein Stück Kultur geschaffen und einen Tempel der Venus Porne, erbaut haben soll.

Aber auch dem römischen Staat war bekannterweise die Wertschöpfung aus Prostitution bekannt und so mußte jede Prostituierte im alten Rom in Besitz einer „licentia stupri“ , einer amtlichen Registrierung sein.

Die steuerliche Abschöpfung steht im Vordergrund des „neuen“ Prostitutionsgesetzes und nicht die Würde der Frau, sonst würde man keine Häuser dulden, in welchen Frauen von Männern gevögelt werden für die sie billigst eine „Flatrate“ erwerben.

So hat der vorgeblich wohlmeinende Staat „Wesen, die Menschenantlitz, Frauenantlitz tragen, ... und hat sie zu lebenden Latrinen gemacht, zu einem „Reservoir“, in das die aufgespeicherte Libido des Mannes“ sich ergießen kann.
Der Staat, wie viele Männer sehen die Prostituierte immer noch mehr animalisch, denn als Mensch.

Die Römer hatten da noch ein anderes Verhältnis zu ihren Prostituierten und der Stammesmutter Roms, für die Kaiser Augustus das Fest der Lupercalien einsetzte.

Valerus sagte, die Maitresse des Hirten Faustüus, Aca Laurentia, die auch die Wölfin genannt wurde, stillte die Zwillinge Romulus und Remus, die Faustüus am Ufer des Tiber fand.
Die Hütte in der sich Aca Laurentia schrankenlos jedem hingab hieß Lupanar und aus dem Erlös ihrer sinnlichen Tätigkeit soll sie die Felder zwischen den sieben Hügeln des späteren Roms erworben haben und sie ihren Plagekindern zum Geschenk gemacht haben.

Vielleicht nur eine Geschichte, doch eine Schöne.

Ach, ich habe ganz die Zeit vergessen und dabei habe ich heute noch einen Termin bei der Schneiderin und meine kleine soubrette rief mir auch gerade zu, daß sie das gewünschte Bad für mich eingelassen und es nun bereit sei.

Ja, ich muß noch einige Dinge vorbereiten, denn in wenigen Tagen reise ich mit meiner kleinen soubrette wieder einmal nach Venedig zum „Ballo del Doge“ im Palazzo Pisani-Moretta. 

Venedig ist bezaubernd in den Tages des Carnevals. Wir sind ja eine kleine Gemeinschaft dort und kennen uns schon seit Jahren. Auf diese Abende im Februar freue ich mich bereits das ganze Jahr und es ist dort doch etwas ganz anderes als in München, weniger depressiv.

Eigentlich hatte ich ja schon mein Kostüm wie Sie sehen können, doch dort herrscht eine strenge Kleiderordung und es sind nur historische Kostüme zugelassen. Doch meine Schneiderin hat sich inzwischen etwas Besonderes für mich und meine kleine soubrette einfallen lassen.

So will ich mich freudvoll dem venezianischem carnevale hingeben und für die Zurückgebliebenen ein Spruch aus der Bibel.


1.Korinther 7:2
Aber um der Hurerei willen habe ein jeglicher sein eigen Weib, und eine jegliche habe ihren eigenen Mann.