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ZEIT.geschehen

Der Tod eines Routers in der noch angstfreien Sonnenstube der Schweiz

Im Tessin, der Sonnenstube der Schweiz, hat nicht nur in der Kantonsregierung die Lega dei Ticinesi das Sagen, sondern es ist manchmal wirklich sonniger und wärmer als nördlich der Alpen und da die politischen, wie gesellschaftlichen Veränderungen, wie die sich etablierende, gewalttätige Tabuverletzung durch angelockte Islamis und Afrikaner, gerade in Deutschland, einen doch vernunftgeleitet etwas Abstand nehmen lassen, bin ich jetzt wieder häufiger hier.

Das sonnige Wetter der vergangenen Wochen ließ die Temperaturen auch nachts kaum unter 20 Grad fallen, doch es war sehr angenehm, da die beiden großen Glastüren zu den Balkonen geöffnet waren und stets ein leichter Windhauch durch meinen Schlafraum zog und die Haut schmeichelnd kühlte.

Doch irgendwann werden diese sommerlichen Tage oft rüde beendet und so war es auch in der Nacht vom Samstag (24.Juni) zum Sonntag als einige heftige, von Italien kommende Gewitter, obwohl sie nicht direkt über dem kleinen Ort hier tobten, diese schönen Sommerwochen, beendeten.

Im Grunde wäre eine solch natürliche Wetterveränderung überhaupt nicht erwähnenswert, wenn sie nicht mit einer sich seit Jahren wiederholenden, stets gleichen Unannehmlichkeit, verbunden wäre.

Nachdem die Gewitter in einem wunderschönen Schauspiel entlang des Lago Maggiore und des Lago di Lugano weiter nach Norden gezogen sind, ging wieder einmal das Telefon nicht, wie auch der Internetzugang unterbrochen war.

In früheren Jahren führte dies stets zu einer gewissen Aufregung, wie Beunruhigung durch eine atmosphärische Spannungsentladung eines Gewitters, plötzlich wieder auf sich „zurückgeworfen“ zu werden und zu bemerken, welch lächerlichen Stellenwert man dem Internet und dem Telefon eingeräumt hat. Doch immerhin sind die Kosten hierfür ja auch kein Taschengeld. 

Hier im Ort gibt es ja keine öffentliche Telefonzelle mehr, da man den Kauf eines Handys so quasi als gesellschaftliche Verpflichtung etablieren konnte. Wer mich nur ein wenig kennt weiß jedoch genau, daß die Anschaffung eines solchen Gerätes für die Volksüberwachung und Aufgabe meiner Privatsphäre nie stattfinden wird.
Das zieht jedoch in der heutigen Zeit, für eine notwendige Störungsmeldung beim Telefonanbieter einen gewissen und sicher auch von staatlicher Seite gewollten Aufwand nach sich.

Selbst meine Gäste schätzen das in meinem Hause geltende Handyverbot und in diesem Wissen kann hier manches freier und spontaner gesprochen werden, was man sonst unterläßt und so läßt, konsequenter Weise, auch meine kleine soubrette ihr Gerät gleich bei sich zu Hause. Ebenso unmöglich ist es einen meiner Nachbarn aufzusuchen, der sein Telefon liebend gerne zur Verfügung stellen würde. Doch leihen sie sich bei ihrem Tessiner Nachbarn mal ein Ei und sie leben ab sofort in Abhängigkeit und sind zu ewiger Dankbarkeit verpflichtet.

Der Anruf im „Callcenter“, folgt nach jedem Gewitter, welches sich über diesem kleinen Ort oder in einem Umkreis von ca. 5 km entladen hat, immer dem gleichen Ritual.

Zunächst versuchte man angeblich durch eine „Messung“ die Störungsursache zu ergründen. Da ich vermutlich bei einer solchen Untersuchung stören würde, schaltete man mich wie stets auf eine Warteschleife mit beruhigender Musik. Das ist wie, wenn man vor der Unfallabteilung in der Klinik warten muß, wo gerade ein hochspezialisiertes Team über einen nahestehenden Freund entscheidet, ob man sein Leben noch retten kann.

In diesen Augenblicken des Wartens hängt man ja so seinen Gedanken nach und ich sah vor meinen Augen all die Menschen, die auf ihren rundum staatlich überwachten Handys auch noch eine „App“ haben, die irgendeiner Datenkrake unentwegt ihren Blutdruck, ihre Herzfrequenz, ihren Aufenthaltsort und ihren Kontostand übermittelt.

Als cortigiana onesta bin ich ja mehr konservativ, den Würde gebenden Werten zugeneigt und meine Privatsphäre ist mir ein wertvolles Gut.

Der bescheiden strukturierte Mensch sieht das offensichtlich nicht so und scheint sich für den technischen Fortschritt ohne Bedenken aufzugeben und dafür auch noch bereitwillig zu bezahlen. 

Na, jedenfalls fragte ich mich so beim Warten-Müssen, weshalb es bei all dem technischen Fortschritt nicht möglich sein sollte neben den Standardfunktionen eines Routers, wie die Aufzeichnung und Speicherung jeder von mir aufgerufenen Webseite, jeder meiner ein- oder ausgehenden mails, jedes am Telefon gesprochene Wort, sekundengenau, für die staatlichen Überwachungsstellen, natürlich nur zu meinem Schutz, wieso es da nicht möglich sein sollte ein solches Gerät herzustellen, das genau in der Sekunde seines Ablebens, verursacht durch die elektromagnetischen Wellen einer Blitzentladung, dem Internet- und Telefonanbieter, in einem letzten Aufbäumen seines elektronischen Lebens noch mitteilt, daß es sein lächerliches, elektronisches Dasein jetzt der Natur und ihren Gesetzen unterordnet und sein Tod, bis auf eine rot blinkende LED, unabänderlich eintritt. 

Doch eine solche Funktion in einen Router zu integrieren scheint tatsächlich noch ein nicht zu lösendes, technisches Problem zu sein, denn im fortschreitenden Bestreben die Volksmassen in all ihrem Tun möglichst lückenlos zu überwachen, kommt es hier ja schließlich zu erheblichen Überwachungsausfallzeiten, die man wohl notgedrungen in Kauf nimmt.

Die Stimme des „Servicecenters“ meldete sich wieder, um mir mitzuteilen, was ich auf Grund meiner vergangenen Erfahrungen schon längst wußte.

Das Modem, der Router müßte ausgetauscht werden und man würde den Versand umgehend veranlassen, womit das kleine Problem unmittelbar behoben sei.

Wieder in mein Haus zurückgekehrt wollte meine kleine soubrette natürlich sofort wissen, wann es wieder möglich wäre zu telefonieren, denn sie müsse für meine Gäste, die morgen kommen werden noch einige Zutaten für das Essen bestellen.

Ich konnte ihr nur von der wohlklingenden Stimme des Mitarbeiters des „Servicecenters“ berichten, der geübt und in geschulten Worten, die aber doch schon mehr standardisierte Floskeln waren und seinem Vorhaben mir einen neuen Router zuzusenden, wie seinem gut gemeintem Ratschlag, daß es doch wirklich sehr hilfreich für mich wäre, wenn ich mir bei der Häufigkeit der eintretenden Störungen doch endlich einmal ein Handy anschaffen würde, wofür sein Unternehmen mir jederzeit einen günstigen Vertrag zusenden könnte und das Handy wäre ja quasi fast umsonst bei Abschluß des Vertrages zu haben, und schließlich habe heute doch wirklich jeder eines.

Eigenartigerweise ist der Telefon- und Internetanbieter bei der Häufigkeit des stets wieder bei Gewittern sterbenden Routers in all den Jahren noch nie auf die Idee gekommen, daß es für mich erleichternd, wie nützlich sein könnte, wenn er mir gleich vorab einen Ersatzrouter bereitstellen würde.


Dienstag, der 27. Juni. 
Vor 5 oder 6 Jahren gab es hier im Ort, genau gegenüber, noch ein Postamt, das man jedoch mit der seltsamen Begründung den „service publique“ verbessern zu wollen, zwischenzeitlich geschlossen bzw. aufgegeben hat, was ja real betrachtet mehr einer Resignation des Postwesens gleich kommt, welches den „service publique“ heute wohl als Zone der Gewinnoptimierung versteht.

Wenn man früher so ein kleines Päckchen mit einem Router erwartet hatte und vielleicht um 7.30 Uhr, wenn der Postzusteller damit an der Türe klingelte, noch im Bett lag, so ging man mittags in aller Ruhe über die Straße und holte es beim freundlichen Postbeamten einfach ab.
Doch seit das nächstgelegene Postamt in einem der Nachbarorte ist, läutet der Postzusteller nicht einmal mehr an der Türe, sondern beschränkt sich darauf einfach einen Benachrichtigungszettel in den Briefkasten zu legen, mit dem in diesem Fall, doch etwas makaberen Hinweis, ich möge mich doch bitte über das Internet informieren, auf welchem der umliegenden Postämter das Päckchen mit dem Router, am erst am nächsten Werkstag, abzuholen sei.


Mittwoch 28.Juni 
Ich bin heute schon sehr früh aufgestanden und mit dem Auto in den Nachbarort gefahren, um auf dem Postamt den neuen Router abzuholen.

Die in unserer hochtechnisierten Welt eigentlich banal, wie selbstverständlich erscheinende Tatsache, daß es ein funktionierendes Telefon, wie einen Internetzugang gibt, wie eben auch z.B. Toilettenpapier oder frische Erdbeeren, wird hier, nach jedem Gewitter, doch jedes Mal zu einem neuen Ereignis, wie auch das Öffnen des kleines Päckchens, mit dem doch sehnsüchtig erwartetem und wieder auf´s Neue mit der „Welt“ verbindendem Inhalt. 

Dieses Mal war die Überraschung groß, denn der neue Router war von einer anderen Firma als bisher und nichts ging mehr und eine erneute Fahrt zum Telefonhäuschen im Nachbarort war notwendig, um im „Servicecenter“ anzufragen, was zu tun wäre. 
Alles sei ganz einfach, bekam ich zur Antwort, der neue Router sei ein Eigenprodukt seiner Firma und nicht mehr wie all die vergangenen Jahre eine „Fritzbox 7398“ von der Firma AVM. Der neue Router habe eine andere IP Nummer und ich bräuchte nur bei all den angeschlossenen Geräten die neue Nummer einzugeben.

Ich bitte Sie, was weiß eine cortigiana onesta von einer „IP - Nummer“ ? In den gegenwärtigen Tagen bin ich wirklich genug damit beschäftigt die mir gebotene ästhetische Lebensführung aufrechtzuerhalten und zu pflegen.

Doch wozu hat man Freunde, die unter anderem mit solchen Dingen auch noch ihren Lebensunterhalt bestreiten und meiner kleinen soubrette machte es Freude Antonio in Mailand anzurufen, der ihr nicht nur gerne Komplimente für ihre Kochkünste macht, sondern ihr auch andere freudige Erlebnisse verschafft, die sie in ihrer Partnerschaft sehr vermißt. Ganz aufgeregt erzählte sie mir, daß er gleich am Nachmittag kommen wolle und so sagte ich meinen schon lange geplanten Nachmittagstermin in einer wundervollen Villa in Locarno auch gleich ab, was für meinen Gentleman dort sicher eine große Enttäuschung war. 

Antonio war schließlich doch längere Zeit mit der technischen Problemlösung beschäftigt bevor er sich den sehnsüchtig, lustvoll erwarteten Problemlösungen meiner kleinen soubrette widmen konnte.

Bei einem Gewittersuizid des Routers vor 2 oder 3 Jahren, riet mir der damalige Servicemitarbeiter ich solle mir für die zur Verfügung gestellte „Fritzbox 7398“ doch das tolle „FritzFon“ kaufen, da dies mit dem Router korrespondieren würde, und einmal abgesehen von dem lächerlichen Namen hatten die vier Plastikteilchen schon ihr Gutes. 

Doch mal ganz offen gesagt, für einen der Ästhetik, dem Schönen zugeneigten Menschen wie mich, haben diese Teile nicht nur einen lächerlichen Namen, der vielleicht für die Volksmassen einprägsam sein mag, sie sind auch häßlich anzuschauen und dennoch stehen heute meine wunderschönen BeoCom 2 Telefone nur noch als Dekoration herum.

Antonio war völlig fertig, denn nun konnte ich zwar wieder telefonieren, doch wesentliche Funktionen sind auf Grund des neuen Routers nicht mehr möglich, da diese nur mit einer „Fritzbox“ verfügbar seien. 

Ein erneuter Anruf im „Servicecenter“, das sich darauf beschränkte all die angeblich neuen Funktionen ihres Firmenrouters anzupreisen, die ich jedoch weder geordert habe, noch in Anspruch nehmen möchte, führte nicht weiter.


Donnerstag 29. Juni 
„Peter und Paul“, ein Feiertag, der wohl nur noch im Tessin Geltung hat. Das bedeutete, daß es ein arbeitsfreier Tag für die Tessiner war und auch die Geschäfte geschlossen hatten. 

Selbst im katholischen Italien ist der Tag ein ganz normaler Arbeits- und Werktag, wie in allen anderen Kantonen der Schweiz auch. 

Hier im Ort gibt es zwar ein kleine Kirche an deren Außenfassade sich die größte Sonnenuhr der Schweiz befindet, die aber eigentlich zu Gottesdiensten nie besucht wird und man sich dort lediglich auf die Beisetzung der Verstorben auf dem die Kirche umliegendem Friedhof beschränkt. 

Bevorstehende regionale kirchliche Feiertage oder andere, weltliche Festivitäten bemerkt man stets daran, daß die Tessiner, jeweils vor dem Festtage in einer hektischen Weise alle vorhandenen Rasenflächen, Private wie Öffentliche, zu mähen beginnen. 
Selbst großflächige Grünflächen bearbeitet man mit großer Ernsthaftigkeit und einer Schutzbekleidung, wie man sie von Schweizer Forstarbeitern kennt, vorzugsweise mit einem decespuglitore (Rasentrimmer/ Motorsense) oder „zecky boy“, wie man ein solches Gerät im Tessin nennt, was eine außerordentliche befremdliche Geräuschentwicklung mit sich bringt, in einem Ort, in welchem man an gewöhnlichen Tagen, kaum Menschen auf der Straße sieht oder solche gar sprechen hört, in dem das Bellen der zahlreichen Mischlingshunde die Kommunikation auch inhaltlich zu  dominieren scheint.


Freitag 30. Juni
Nach weiteren Anrufen im „Servicecenter“ des Telefon- und Internetanbieters, sagte mir der Mitarbeiter zu, das neue Modell ihres Routers zurückzunehmen, wie auch zum zweiten mir ein Modell des bisher vorhandenen Routers - „Fritzbox 7398“, wenn auch ein älteres Modell, zuzusenden. ( Die Versandkosten von jeweils 12,00 CHF gehen zu meinen Lasten, was beutet, daß ein Blitzschlag in der Nähe des Ortes bisher 48,00 CHF kostete. )

Den Teil der Geschichte, in dem es gilt hier im Tessin ein Päckchen zu bekommen, bzw. es von irgendeinem Postamt abzuholen habe ich Ihnen oben ja schon erzählt, die Beschreibung des „service publique“ bedarf keiner Wiederholung und, nein, diese sogn. „Fritzbox 7398“ hat man mir bis heute noch nicht zugeschickt, sondern ich habe zwischenzeitlich vielmehr drei weitere Päckchen vom Internet- und Telefonanbieter bekommen. Jedes Mal mit dem demselben neuen, firmeneigenen Router des Unternehmens.

In früheren Jahren verstand sich das Telefon- und Internet anbietende Unternehmen noch als Geschäftspartner und erstattete wenigsten, mit entschuldigen Worten, die doch tagelangen Ausfallzeiten. 

Heute gibt es solch korrektes Verhalten nicht mehr. 

Vielmehr hat man diese Unzulänglichkeiten offensichtlich als selbstverständlich hinzunehmen und ist, durch persönlichen Einsatz, gezwungen sich auch noch an der Störungsbehebung eines technisch nicht ausgereiften Unternehmensproduktes zu beteiligen, zu Gunsten seiner Gewinnoptimierung.

Ach ja, für die kommende Woche ist erneut unbeständiges Wetter mit zahlreichen Gewittern angekündigt und in Bezug auf die Telekommunikationstechnik scheinen diese Sommermonate zu einer never ending story auszuarten.

Antonio blieb noch die Nacht hier und ich fahre jetzt für einige Tage an die Côte d‘Azur, um mich in einem angenehmen, wie störungsfreien Ambiente etwas zu erholen.

Ich sehe das ja mehr wie S.Freud, der schon vor vielen Jahren zusammenfassend sagte: „Am meisten erreicht man, wenn man den Lustgewinn aus den Quellen psychischer und intellektueller Arbeit genügend zu erhöhen versteht. Das Schicksal kann einem dann wenig anhaben.“  

Und so werden die blödsinnigen, wie abstrusen Vorstellungen von einem partnerschaftlichem Vertragsverhältnis meines Telefon- und Internetanbieters mit mir als Kundin schnell etwas im Hintergrund des banalen Lebens verschwinden und in Gegenwart der von einer deutschen Bundeskanzlerin eingeladenen Islamis und Afrikaner nach Europa gehört ein toter Router im Tessin doch wirklich zu den peanuts.


PS:  25. Juli 

Die Geschichte nimmt eine unerwartete Wendung und ein freundliches Ende Erneut liegt im Briefkasten die Benachrichtigung zur Abholung eines Päckchens. Wie sich herausstellt handelt es sich um die erneute Sendung eines Routers, diese Mal eine „Fritzbox“.

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