Freitag, 12. Mai 2017

Ephemere

work in progress 

Ich weiß, die letzten Wochen habe ich nichts geschrieben, zumindest nicht hier. Nicht, weil es nichts zu erzählen gegeben hätte. Doch einmal im Jahr reduziere ich meine Verpflichtungen ein wenig und fahre über einige Wochen täglich knapp über 30 km Richtung Süden in die Provinz Como und bin bei sehr lieben Menschen, oberhalb des Comer Sees, als Exerzitientin, nach dem Motto "tantum quantum",  in alten und vor allem ehrwürdigen Mauern, zu Gast für lange Gespräche über Gott und die Welt.

Ich kann es ja gut verstehen und nachfühlen, wenn Sie jetzt damit ein Problem haben sich das vorzustellen.

Hier, am Nordufer des Comer Sees ist noch alles in Ordnung und es sind keine Warnschilder wie "Attenti al carne" notwendig, so wie drüben am anderen Ufer des Sees, bei Adriano, der ja von der Polizei der ganzen Stadt geschützt werden muß.


In diesen Tagen hatte ich sehr lange Gespräche mit einem dort lebenden, langjährigem Freund in seiner Habitgemeinschaft. Zuletzt unterhielten wir uns über den Inhalt von "La discreta pecadora, o ejemplo de doncellas recogidas" von Paloma Dfas-Mas, über das gescheiterte Experiment der Opferung der Keuschheit. Aber davon erzähle ich Ihnen vielleicht ein anderes Mal.

Einmal abgesehen von der geistigen Katharsis nahm ich gerne die Gelegenheit war in diesen Tagen, die schon von frühlingshafter Wärme erfüllt waren, in den späten Nachmittagsstunden mein warmes Badezimmer aufzusuchen, das durch die Magie des Sonnenlichts bis in den frühen Abend hinein in ein freundliches Goldgelb getaucht, zu einem besonderen Ort der Erholung wird. 

Von einem dieser Tage will ich Ihnen hier erzählen. Meine soubrette hatte schon begonnen das Wasser einzulassen, das sich zügig in einem kräftigem Wasserschwall im whirlpool sammelte und einige der türkisfarbenen Badeperlen hinzugefügt, die dem quellendem Naß nicht nur seine meerblaue Färbung, sondern ihm auch jenen tiefen, fruchtigen Duft verliehen, einem mysteriösem Blütenaroma von Holz und Iris, den ich auch bei meinem Armani Iris celadon so liebe. 

Neben dem pool stand auf dem kleinen Edelstahltischchen, das erste Glas Champagner des heutigen Tages bereit, verfeinert mit ein wenig Blattgold und zusammen mit dem handverlesenem Liquid prickelten nun am Perlenkranz des Glases im milden Licht der untergehenden Sonne auch die zarten Teilchen aus Goldfolie. 

24ct auf diese Weise zu verinnerlichen ist aphrodisisch, aber meiner bonne dann auch noch dabei zuzusehen wie sie später meine Weiblichkeit erneut in gepflegte façon versetzen würde, versetze mich in erwartungsvolle Vorfreude.


Meine bonne und ich hatten uns zwei Stunden des herrlich, frühlingshaften Spätnachmittags reserviert, um uns Frische und Perlage zu verleihen, was für uns beide eine angenehme, wie ebenso geplante Abwechslung ist, da ansonsten eine jede von uns ihren Belangen nachgeht und wir in letzter Zeit wenig zwanglose Momente teilten. 
All zu schnell erschöpft man sich ja im Bad der Gewohnheit und durch solche bedachtsam gewählten Augenblicke gewinnt man frische Lebenskraft, in denen die körperliche Kultivierung ein willkommener Anlaß ist, auch den Geist zu erneuern. Sie liebt solche Momente der ungestörten, etwas persönlicheren Begegnung mit mir, weil sie sich dann in den paar Stunden im gemeinsamen Badezimmer "fast ein wenig wie in einer Oase" fühlt. Dafür arrangiert sie dann auch liebevoll kleine Besonderheiten wie den Champagner mit Erdbeeren, am besten nature oder mit einem einem kleinen weißen Klecks von "dolce neve", dieser himmlischen, sehr italienischen Creme.

Nachdem ich dem Schaumbad, den verführerischen Duft nach Iris auf meiner Haut erneuert, entstiegen bin, saß ich in meinen seidenen Hausmantel gehüllt auf meinem Acrylstuhl, der sich auf den schwarzen Fliesen neben dem whirlpool hervorragend machte, zumal ich mit dem leichten, transparenten Material schon positive Erfahrung hatte, als ich meinen Gästen den Nuru Massagestuhl unter der Dusche anbot und sie sich darauf sehr wohlfühlten. 

Heute war es das erste Mal, daß ich das neu erworbene Designerstück von Davide Conti ausprobierte; ich hatte es in Mailand im Schaufenster gesehen und es gefiel mir auf Anhieb wegen seiner Leichtigkeit und seiner klaren Form, so daß ich nicht widerstehen konnte und ihn mir liefern ließ.

Meine soubrette hatte für unsere intime Verabredung ihr strenges Kleines Schwarzes gegen eine sportive Variante mit tiefem V-Ausschnitt gewechselt, das unkomplizierter zu tragen war und auch eventuell kleine Wasserflecken aushalten würde, die sich unweigerlich bei ihr einstellen, wenn sie mich rasiert. Mir gegenüber auf dem warmen Boden kniend, öffnete sie meinen cremefarbenen Hausmantel, der schwer über meine Schenkel glitt, auf die Seite fiel und meinen Schoß entblößte, den sie immer wieder wegen seines wohlgeformten Aussehens gerne mit einem südlichem "Oh, la, la" willkommen hieß und holte den voluminösen Naturschwamm aus der kleinen, flachen Schale, die am Rand des whirlpools stand. 

Ich bin jedes Mal angetan von dem wunderbarem Luft-Naturgebilde mit all seinen zahlreichen Öffnungen, die alles Flüssige begehrlich aufnehmen. Serge, ein guter Freund, der sich immer wieder geschäftlich in der Region der Ägäis aufhält, bringt mir von jeder seiner Reisen von einem Schwammhändler der griechischen Insel Kalymnos, wo noch heute mutige Schwammtaucher ihr Leben dafür riskieren, in einer aufwendigen Geschenkverpackung eines dieser zarten, seltsam faszinierenden Tierwesen mit, das mir in meinen Räumen soviel Genuß bereitet.

In die große, weite Schale auf dem Edelstahltischchen ins klare Wasser getaucht, zuerst obenauf schwimmend, dann aber  gierig saugend, veränderte der große, pflanzenartig anmutende Meeresschwamm nach und nach seine Farbe und Textur, wurde behäbig, schwer und sank taumelnd auf den Boden. Das sich vor unseren Augen vollziehende Schauspiel vollzog sich in einer ihm innewohnenden ganz besonderen Ästhetik.

Von den mädchenhaften, schlanken Händen, deren Nägel in einem sanftem rosé Nagellack im Ton von Rose caché akzentuiert waren, triefend naß aus dem Wasser gezogen, preßte meine bonne ihm die Nässe aus seinem Inneren, die peu a peu beginnend bei meinem blonden Intimschopf auf mich herabtropfte, den Vertiefungen meines Schrittes folgte und wie ein zärtlicher Strom über meine Haut floß, zufällig und gewollt zugleich.

Ich bevorzuge ja die Seifenschaumrasur. Vor langer Zeit konnte ich bei einer Freundin miterleben, daß sich Rasierschaum aus der Tube einfach nicht kultiviert auftragen läßt; schon die Geräusche, die dabei entstehen, wenn sich der Schaum aus der Tube würgt, sind gewöhnlich, wie ordinär und Männer mögen das  ja vielleicht bei ihrer morgendlichen Rasur lieben. Sie kennen ja den Spruch aus dem Volke: "Man bekommt den Mann aus der Gosse, aber nicht die Gosse aus dem Mann."

Ähnlich verhält es sich mit dem meist profanen Duft des Tubenschaums, männlich, würzig, Aromen von Kiefer, Nelke basierend auf Hölzern und Vanille verströmend, der zwar einen reizvoll, herben Kontrast zur weiblichen Intimzone bildet, aber doch vorschnell die phantasievolle Anspielung provoziert, als habe sich der letzte Liebhaber erst vor kurzem verabschiedet. Dagegen empfinde das dezente Aroma der milden Mandel- und Olivenölmischung von Acca Kappa als angenehm zurückhaltend und es pflegt meine empfindliche Haut schon während der Rasur.

Bei der  Verwendung der Rasiercreme kommt es sehr auf die Dosage an, wie auch auf das große Können meiner soubrette der Seife große Luftblasen abzuringen und ein luftiges Gebilde zu kreieren, ähnlich wie beim Champagner, dem auch seine prägende Note auf geheimnisvolle Weise vor der Verkorkung verliehen wird. 

Den dunklen Griff zwischen ihren schlanken Fingern führte sie in einer sich stets wiederholenden Choreographie den Dachshaarpinsel in dem tief dunkelbraunen Wengeholzschälchen über das Seifenstück. Fast tänzelnd nahmen die feinen Haare des Pinsels den Schaum auf, um anschließend am Ort meiner Lust, wo sich zugleich Unwillkommenes und Pinselhaar begegnen, aufgetragen zu werden, damit später, nach der galant zärtlichen Behandlung, wieder die vollkommen glatte, weiche Haut nicht nur mir erneute Freude bereiten wird.

Die dunklen Pinselhaare im vorderen Drittel bedeckt mit dem cremeweißen, leicht schimmerdem Schaum, streifte sie gekonnt in langen Zügen, rechst und links von meiner Mitte mehrfach auf und ab, kreiste leicht und ausdauernd auf meinem Lustpunkt, solange bis mein Unterleib alle Aufmerksamkeit bündelte, sich erwärmte und ich ein beflügelndes, erotisches Beben im Bauch verspürte.

Ach, wie geschickt meine bonne den Schaum verteilte, wie ich ihre streichelnden und wirbelnden Bewegungen liebte, die sie ungezwungen, leicht provozierend und kitzelnd auftrug. Ein Spiel, das uns beiden in seiner steten Wiederholung gefiel. Ein erweitertes Spiel der Körperpflege, in welchem sie meine sinnlichen Wünsche zu wecken suchte, wobei ich den Eindruck hatte, daß die ihren bereits in der Vorbereitung erweckt wurden. 

All die kleinen Aktivitäten, das Herbeischaffen der zahlreichen Utensilien, das Zusammensein in der hellen, leichten Wärme der späten Abendsonne, die durch´s Fenster schien, ein kleines Nippen zwischendurch an der moussierenden Erfrischung, die sinnliche Textur des Schwammes in Verbindung mit der entspannenden Wirkung des lauen Wassers auf der Haut zu spüren, dann die lustvolle, fast rituelle Schaumerzeugung und all das vor dem hübschen Anblick meiner Mitte, die sich im gegenüberliegendem Spiegel noch einmal zeigte, wie dem reizvollen Dekolette meiner soubrette, das immer wieder in den unterschiedlichen Positionen ihres Oberkörpers einen zufälligen Blick auf ihre großen, festen Knospen zuließ, die mich in an die süßen, kleinen, erdbeerroten petit four in der Auslage des Gran Cafe in Lugano erinnerten, untermalt von den Klängen von Keith Jarrett. All das trug zu einer heiteren, erregenden Atmosphäre bei, die uns beiden entsprach.

Erst als ich sie bat bei der Benutzung des neu geschärften Esbjerg Rasiermessers besonders achtsam zu sein, wandelte sich die Stimmung wieder in eine gewisse ernsthafte, jedoch kurzfristige Konzentriertheit.

Meine bonne begann mit der gut geschliffenen Klinge, deren Gegenstück in den beruhigend braunen Horngriffschalen sitzt, das ephemere Schaumgebilde mit dem darunter liegend sprießendem Haar zu entfernen, Strich für Strich, solange bis die babyglatte Haut, Streifen für Streifen, zum Vorschein kam.

Hier und dort eine Hautpartie gestrafft, damit die scharfe Schneide ungehemmt darüber ziehen konnte, manchmal ein Stocken, wenn das helle Metall gefährlich nah an meiner sensiblen Lustzone vorüberzog, da und dort eine kleine Korrektur der Kante zum gewünschten Haarwuchs und bis auf einen schmalen Haarstreifen, den meine soubrette zu einem späteren Zeitpunkt blondieren würde, strich sie mit scharfer Klinge über den noch hellen Teint, der sich dabei jedes Mal ein wenig mehr rötete. 

Und als bei der Rasur nicht nur der Champagner perlte, sondern sich kleine, blutrote Himbeeren als feine Spuren im Schaum abzeichneten, die trotz aller Aufmerksamkeit, Genauigkeit und Geduld eben manchmal geschehen, nahm sie diese mit einem weißen mouchoir auf, um danach einen winzigen Tropfen unseres prickelnden Getränks auf die versehrte Haut zu geben.

Dann war da noch ein kleines Rinnsal tiefroten Blutes, das über die Haut lief, genau an jener Stelle wo die Haut so fein und dünn das Ende der Bikinizone markiert, das meine kleine soubrette, außer sich und hektisch tupfend, damit kommentierte, daß sie hierbei an Sandra Henke und Kerstin Dirks Buch "Begierde des Blutes" denken müsse. 

Bei mir stellten sich da unmittelbar und bildhaft Gedanken an Aphrodite, der Schaumgeborenen, ein und ich erzählte meiner bonne die Geschichte der Schönen: ihre wilde, kraftvolle Zeugung aus Urano´s Lebenssäften - seinem Blut und Samen -  die sich mit dem Meer vermischten, das daraufhin ringsum heftig aufschäumte und Aphrodite gebar.

Mit voller Aufmerksamkeit und besonderem Interesse verfolgte sie die Vorgeschichte, den Teil der gewaltvollen Zeugung, wie es zu der außerordentlichen Mischung der Elementarsäfte kam, nämlich, daß Gaia, auch bekannt unter der Bezeichnung "Mutter Erde", Ehefrau und Mutter von Uranos´, sich zurückgesetzt fühlte und ihren jüngsten Sohn, Kronos, aus der Reihe der Titanen und Zyklopen, anstachelte seinen Vater mit einer Sichel zu entmannen, um ihm dann auf seinem Thron zu folgen. 

Ach, meine kleine bonne hörte gerne meinen Geschichten zu und lauschte mit großen Augen und geöffnetem Mund, als ich ihr davon erzähle wie Aphrodite sich der freien Liebe verschrieb, zahlreiche Liebschaften hatte, mit ihren Liebhabern Nachkommen zeugte und aufgrund ihrer Unwiderstehlichkeit zur Göttin der Schönheit erkoren wurde, die unter anderem in der Skulptur des Bildhauers Praxitheles Unsterblichkeit in menschlicher Zeugnislegung erlangte.

So ganz persönlich für mich sind ja an dem Werk nicht nur seine zeitlose Schönheit bemerkenswert und der Mythos, daß die Hetäre Phyrne als Modell gedient haben soll, sondern auch, daß sie mit verhüllter Scham dargestellt wurde und damit  jenen weiblichen Skulpturen zuzuordnen ist, die als Venus pudica (schamhafte Venus) bezeichnet werden.

Schönheit und Scham, trotz ihrer persischen Abstammung von Mylitta, der geschickten Zauberin, der verführerischen Prostituierten, die mittels Prostitution verehrt werden wollte?

Der Form folgte die Farbe. 

Nach der kleinen Unterbrechung in die Geschichte der gar zu menschlichen Mythologie mischte meine süße soubrette die Zutaten für die blondierende Substanz und, ah, jedes Mal die überraschende Intensität, als der Pinsel mit dem Wasserstoffperoxyd die frisch rasierte Haut brennend berührte, und die hellblaue Mischung nur allmählich ihren energischen Charakter verlor. Dabei sah sie mich erwartungsvoll, forschend an, wie ich wohl dieses Mal reagieren würde, ermunterte mich mit einem zärtlich, beruhigendem Blick nicht so laut aufzuschreien, da sie mir sonst vielleicht, intuitiv und vor Schreck den Mund mit ihrer Hand verschließen müßte, wie sie es schon einmal getan hatte, um nicht den Gärtner aufzuschrecken, der unseren lautlichen Äußerungen bei geöffneten Fenstern und Türen ab einer bestimmten Lautstärke folgen konnte und wir doch dieses Mal nicht unnötig seine Neugier wecken wollten. Es sollte seiner Ermunterung genügen, wenn sich meine bonne mit einem galanten Hüftschwung bei ihm sehen ließ und ihm eine Erfrischung brachte.


Für die Dauer der Einwirkungszeit, die ich still sitzend auf meinem nassen, etwas schlüpfrigen Stuhl verbrachte, war Unterhaltsamkeit angesagt, was uns bei der vorherrschenden Heiterkeit nicht schwer fiel.

Ein sie überwältigender kleiner "rutto", dessen Ursache nur unser perlendes Getränk sein konnte, dem ein betroffenes "scusami" folgte, gab Anlaß die abzuwartende Zeit mit einer weiteren, kleinen Geschichte, ein wenig Geplauder zu überbrücken. 

Von den Aktivitäten der Mönche, dem weiten, unfruchtbarem Land, der campania und der kargen Erde, von den kreativen Mönchen, die zu unserer Freude aus einem stillen Weißwein einen temperamentvollen "Wein des Teufels "gären ließen und ihrem Problem der exlodierenden Flaschen Herr zu werden, um endlich kleine, jungfräuliche Brüste in die Flaschenböden hineinzuwölben, so daß es überflüssig wurde, daß der Kellermeister eine eiserne Maske bei seiner Arbeit tragen mußte. 

Um die für sie wohl noch anhaltende Peinlichkeit ihres rutto gänzlich aufzulösen erinnerte ich an Pipa, die anmutigste Kurtisane der Welt, als Nana zu ihr sagte: "Wenn du mit dem Essen fertig bist, so rülpse nicht - um Gottes Willen!", Pipa sie jedoch ratlos fragte: "Wenn mir nun aber doch mal unversehens eine Rülpser entführe?", sie von Nana hörte: "Brrr! Da würden nicht nur die Ekligen, es würde die Ekelhaftigkeit selber Ekel vor dir haben."

So verhalf uns Pietro Aretino´s Erzählung zu fröhlichem Lachen und einem erneuten Anstoßen der Gläser.

Ebenso mußte ich unwillkürlich heftig lachen, denn unmittelbar nach den kleinen Ankedoten sah ich plötzlich vor meinen Augen jene Szene von Peter Sloterdijks Buch, "das Schelling Projekt" vor Augen, in welcher er Herrn Mösenlechner beschrieb wie er mit einer Dame eine halbe Woche im Hotelzimmer verbrachte und nach drei Tagen feststellte, daß die geöffnete Champagnerflasche noch immer perlte, was er mit der Bemerkung gou­tie­rte, daß er vor ja vor achtundsechzig Jahren geöffnet wurde und und kein Mensch wisse, weshalb er immer noch perlt.

Ich mußte meiner soubrette erst einmal meine Heiterkeit erklären, die bei sich eine ähnlich anstiftende Wirkung verspürte, was sich in einem prickelnd übermütigem Beschluß äußerte, ihren Freund mit einem radikalen Hollywood cut, einem  "Nichts", überraschen zu wollen. 
Zaghaft fragte sie an, ob sie heute ausnahmsweise Pinsel und Rasiermesser von mir benutzen dürfte, um ihrem plötzlichem Einfall spontan nachgehen zu können. 

Dabei sollte man wissen, daß der italienische Mann, also auch der Freund meiner bonne, nicht immer auf gepflegten Haarwuchs achtet, wie es zunächst beim Anblick eines selbstdarstellenden Fahrradfahrers naheliegend wäre. Vielmehr hat der italienische Mann Probleme nicht nur mit der eigenen Intimbehaarung, der hier seine persönliche Körperpflege meist vernachlässigt, oder in einem Gorilla artigem Bewuchs seine Männlichkeit unterstrichen wissen möchte, sondern im Gegenteil erwartet er bei seiner Frau oder Partnerin eine ausreichende Behaarung. Eine in dieser Zone zu sehr gepflegte Frau ist für ihn verdächtig und lädt ihn zum Moralisieren ein, was sich bei  Louis v. Delft in seinem Essai "Le moraliste classique" so liest: „la province du moraliste se situe à la lisière de trois grands domaines, la religion, la science et la littérature“.

Kurz entschlossen, in gehobener Stimmung durch Ort und Kairos, wiederholte sie geschwind an sich selbst, was sie zuvor bei mir behutsam und bedächtig ausgeführt hatte und, jetzt leichtsinnig schnell an sich selbst vollführte. So verwandelte sie sich innerhalb kürzester Zeit von einer jungen Frau zum Mädchen. 

Ich, die ich immer noch auf meinem feuchtem Stuhl harrte, in geduldiger Erwartung der blonden Farbwirkung und der flatterhaftem Vorstellung hingegeben, die sich da vor meinen Augen vollzog, wurde erster Augenzeuge ihrer wunderschönen freigelegten Mitte, die sie nun ohne das bisher schmückende dunkelhaarige Schamdreieck selbst zum ersten Mal im Spiegelbild erblickte.

Ich genoß den herrlichen Anblick ihrer sorgenfreien Leichtigkeit als hätte der Rasurakt, die bewusste Gestaltung ihrer selbst, ein Kunstwerk aus ihr gemacht. Sie war ja ohnehin ein poetisches Objekt, aber die Reduzierung machte sie noch bemerkenswerter. 

Als „Anblick“ war sie das kleine Mädchen, eine Projektionsfläche, aber es war ihr an mich in den Spiegel gerichteter Blick, der meine Betrachtung in einen Objekt-Blick verwandelte. Dabei errötete sie, senkte den Blick und schloß den zuerst leicht geöffneten Schoß in einer unwillkürlichen, schnellen Bewegung, die keine Zeit für bewußtes Nachdenken andeutete. 

Es war wohl die Rückwendung auf sich selbst, die sie aus der lebendigen Verlorenheit in ihr neues Spiegelbild gerissen hatte.

Das Überraschende daran ist, daß sich im Moment der Scham zwei Entwürfe, zwei Vorstellungen des Ichs gegenüberstehen: eine, die das Ich mit der normverletzenden Handlung identifiziert, und eine zweite, nach der eben diese Normverletzung von diesem Ich nicht erwartet wurde, oder deutlicher: eigentlich nicht zu erwarten war, als lange ruhender Teil des Ichs.

Die schamhafte Röte meiner bonne stand ihr äußerst gut und ich ermutigte sie erneut mit mir anzustoßen, damit die schamvolle Röte der Alkoholischen weichen konnte und damit zugleich Darwin´s These, dass Frauen leichter erröten und eher mit Verlegenheit und Scham reagieren, umgehend nicht mehr überprüfbar war.

Offensichtlich braucht Scham den „Blick des anderen“.

Mit dem Ende meiner Wartezeit löste sich die schamerfüllte Situation im Rauschen des ergiebigen, temperiertem Wasserstrahls auf, der nicht nur die hellblaue Pulverschicht von mir spülte, sondern für meine bonne auch Gelegenheit war über die guten Dienste wieder persönliches Gleichgewicht zu erlangen. 

Dabei saß ich rittlings auf dem Bidet, dem Wasserhahn zugewandt, während mich meine bonne mit dem klar fließendem Naß von den Farbresten befreite und dabei mit dem kräftigem Strahl verspielt und ausgiebig meine Lippen näßte.

Wie erwartet kam der gewünscht blonde Haarstreifen hervor, gleich einer Christa auf den Helmen der römischen Legionäre, den meine soubrette so getrimmt hatte, wie ich es schätze: mit akkuraten Kanten und gleicher Haarlänge, wenn ich ihn von oben betrachte.

Nach dem Trocknen mit einem erwärmtem Frottierhandtuch verlieh sie ihm seine Seidigkeit, indem sie ihn mit einem Tropfen meines zur Haarpflege bevorzugten Olivenöls einrieb. 

Unnötig lange hatte sie die Flasche Laudemio zwischen all den Kosmetika im verspiegeltem Wandschrank gesucht. Dabei strich sie mit dem ausgestrecktem Mittelfinger ihrer rechten Hand vorgeblich suchend wie neugierig über sämtliche Flacons, Cremetigel, Glasfläschchen und Puderdöschen, so, als ob sie ihr völlig unbekannt wären.

Am Ende meiner heutigen Körperkultivierung angelangt, war ich im Begriff die Stunden unseres leichten Zusammenseins zu beenden, nahm aber dann noch einen Tupfen Crème de la mer und spendierte ihrer neuen babypussy einer jener kostbaren, weißen Cremeperlen. So gesalbt würde meine bonne als eine von Aphrodite´s Grazien ihr heute alle Ehre machen.

Im Übrigen verstehe ich unsere zurückliegenden Stunden im achtsamen modus procedendi ohnehin als eine Art Liebeskult kommender Lüsten und Begierden in Schönheit dienen zu wollen. 

So einfache Akte der Körperpflege sind immer auch Körperaneignungen, die einem die Freiheit geben mehr man selbst zu sein. Eine gut ausgebildete Eigenliebe, die nicht mit brutalem Eigennutz zu verwechseln ist, sondern eher etwas mit der „cura sui“, der antiken „Selbstsorge“ zu tun hat, bekommt ohnehin ihren eigenen Stellenwert für eine ethisch, moralische Argumentation wie sie auch etwa bei La Rochefoucauld und Pascal anzutreffen ist.
Bei einem gemeinsamen Blick in den Spiegel bestätigten wir uns gegenseitig die erfreulichen Veränderungen und im Gesicht meiner soubrette funkelte eine erwartungsvolle Zufriedenheit.

Neben den leeren Champagnergläsern, an deren Rand noch der flüchtige Hauch von von Blattgold haftete, lag bis jetzt unbeachtet das kleine Büchlein mit dem Titel "Die sechzehn wollüstigen Sonette" von Pietro Aretino und sie, meine bonne, schlug zufällig die Seite mit der zehnten Stellung auf, war offensichtlich sofort in den darunter stehenden Text versunken:

"Sei heute meine kleine Windhündin.
Die Haltung macht Dich schöner, ohne Schmeicheln Spreiz Dich, 
ich folge; 
doch eh' ich drin bin, Will ich zuvor mit meinem Glied Dich streicheln. 
O Gier nicht zu vergleichen,
Genieße sie sogleich: Wenn frische Lippen des Gliedes magnetisch streichen 
So kommt das Vögeln dem Magnetismus gleich."

Obwohl Aretino ein Italiener, war er ihr unbekannt und umso mehr faszinierte sie der Gedanke an die erotischen Quellen ihrer Muttersprache, das Italienische, das ihr in dieser Weise bisher verschlossen war. Sie war kaum dazu zu bewegen sich von dem kleinen libretto zu trennen.



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