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ZEIT.geschehen

Body-Mass-Index

Jetzt, kurz vor Weihnachten, ist es noch immer angenehm warm hier, so daß ich mit all den Zeitungen heute wieder bei einer Tasse Kaffee, auf meiner Terrasse lesen kann.

Das französische Parlament beschloß, daß in Zukunft keine „Mager-Models“ auf den Laufsteg dürfen. Man wird sicher nicht lange darauf warten müssen, daß dieser Beschluß von anderen Ländern übernommen wird.

Models müssen in Frankreich jetzt ein Gesundheitszeugnis vorlegen aus welchem zu ersehen ist, daß sie einen festgelegten Body-Mass-Index nicht unterschritten haben.

Wer es wagen sollte ein Model ohne Gesundheitszeugnis zu beschäftigen dem drohen sechs Monate Gefängnis oder 75 000, 00 € Strafe. Beachtenswert scheint mir, daß das Gesetz auf Frauen zutrifft.

Juliette, eine gute Freundin, wird jetzt wohl arbeitslos werden?

Ich habe mir ja schon überlegt, ob dieses Gesetz auch bei Frauen angewandt wird, die z.B. in einem Hypermarché wie „Carrefour“ hinter einer Kasse die ausgewählte Ware über ihren piepsenden Scanner ziehen?

Wenn der, der jeweiligen Administration gerade gefällige, Body-Mass-Index zur Voraussetzung für einen Arbeitsplatz, eine Anstellung wird, dürften die kommenden Zeiten noch lustiger werden.

Da sich vermutlich in Deutschland ganz schnell ein politischer Karrieresamurai - ich prognostiziere aus den Reihen der Grünen und mit freundlicher Unterstützung von Alice Schwarzer - finden wird das französische Gesetz auch in den eigenen Landen zu etablieren, ist es eine Freude etwas weiter zu phantasieren.

Konsequenterweise wird zu erwarten sein, daß ein solches Gesetz, das Arbeitsrecht betreffend, mit deutscher Gründlichkeit erweitert und der Gerechtigkeit halber angepaßt wird, so daß der Body-Mass-Index über 25 ebenso einbezogen wird.


Wenn ich da an so manche Dame denke z.B. hinter einer Ladenkasse eines Supermarktes, der man selbst bei oberflächlicher Betrachtung den Begriff „Adipositas“ zuordnen kann ohne damit ungerecht zu sein, so müßten diverse Arbeitgeber doch einige ihrer Mitarbeiterinnen schnellstens entlassen.


Einstellungsvoraussetzungen werden dann wohl in Zukunft der Body-Mass-Index 18,5 – 25 sein. Und sollte der Body-Mass-Index eigentlich nicht auch für Politikerinnen zutreffen, was ihre Repräsentanz nicht nur in Deutschland verbessern würde?
Dieses Bild aus der Maximilianstraße in München, der „Stadt mit Herz“,  habe ich noch von einem meiner letzten Besuche  in Erinnerung.

Die gute Frau würde in ihrer Not bei einem solchen Gesetz keine Arbeit finden, um ihren Hunger zu stillen, da sie nicht beschäftigt werden dürfte und sie sucht sicher keine Stelle als Model. Ihr Body-Mass-Index, ich tippe mal unter 16, stimmt einfach nicht.

Mit der Gerechtigkeit ist da ja immer so eine Sache. Ich habe meinen sonnigen Platz schnell mal verlassen, um einen, wenige Wochen zurückliegenden, Bericht im „Weser Kurier“ zu suchen.

- Ja, dort war zu lesen: „ Der Mann beäugt argwöhnisch, was vor ihm auf dem Teller liegt: laut Speiseplan „Gabelspaghetti mit Ratatouillegemüse in Käsesauce“. Vorsichtig probiert er eine Gabel voll, dann noch eine und noch eine. Steht schließlich auf, nimmt den Teller, kippt das Essen in den großen, schon bis fast an den Rand gefüllten Restebehälter und geht nach draußen, wo ihn stürmische Kälte erwartet.“

Mit diesem Text beginnt der Bericht aus einem der vielen deutschen „Willkommenslager“.

So ist das eben mit der Gerechtigkeit.

Ich glaube die Frau in der Münchner Maximilianstraße hätte nichts gegen "Gabelspaghetti mit Ratatouillegemüse in Käsesauce", die anderen Orts in den „Restbehälter“ genannten Schweinekübel geworfen werden, weil Anderen das kostenlose, vom Steuerzahler finanzierte, Essen nicht fein genug ist.

Das dumme ist nur, daß die Frau auf der Münchner Maximilianstraße eine Deutsche ist und keine von jenen Leuten, die gerade das Land zu Hunderttausenden einnehmen.

Ich freue mich schon wieder auf die nächste Fashion-week in Paris.

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