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ZEIT.geschehen

Komödienstadl

Die Katastrophe ist die wahre Ressource des Tessins, was aber ein vollkommen subjektiver Eindruck ist, denn für die Menschen hier mag es Tradition sein oder einfach nur Normalität. Ich will eigentlich nur zügig nach Hause fahren.
Autobahnausfahrt Lugano Nord in Richtung Ponte Tresa. Seit 10 Jahren Stau. Hier im Tessin hat die Lega dei Ticinesi das Sagen. Eine politische Partei die, na wie soll ich sagen, etwas weiter rechts als die Schweizer SVP, anzusiedeln ist.
Einem auch nach 10 Jahren Fremden wie mir, einer straniera (dieses Wort wird hier überwiegend im Pejorativ verwendet) erscheint die hier vorherrschende Normalität als Problem. Zuviele Menschen scheinen alles dafür zu tun, daß das existierende System möglichst lange bestehen bleibt.
Aber was den Stau betrifft, bekam ich nahezu halbamtlich von der NNZ die Bestätigung als sie in ihrer Ausgabe vom 06.11.2015 schrieb:
"Ein Kenner der Verkehrssituation meint zerknirscht, dass die kantonalen Strassen im Grunde noch dieselben seien wie zu Beginn des 19. Jahrhunderts." Für die Tessiner mag "Der Stau" die alltäglich notwendige, eine sich der Gemeinschaft vergewissernde Zusammenkunft sein. Doch ich möchte etwas müde von der Fahrt nur noch zu meinem Haus, das Auto in die Garage stellen, die 44 Stufen in den zweiten Stock absolvieren, in welchem ich meine ganz privaten Räume habe, eine Tasse Kaffee und noch ein wenig lesen, bevor ich zu Bett gehe.
Ich bin ja nicht mehr so oft hier, doch im Abstand von einigen Wochen darf ich einige wenige Gäste begrüßen, zu so einer Art "Literarischem Salon", wie es vor langer Zeit bei einer Anne „Ninon“ de Lenclos üblich war, nur im ganz Kleinen und das lustbare Vergnügen kommt hierbei auch nie zu kurz.
Ich freue mich schon sehr auf die exquisite Runde. Ich muß noch Blumen bestellen, mit dem Catering Service die Details besprechen, an die Musik denken - wäre Lully gut?
Ein neuer Tag. Es ist noch ungewöhnlich mild; es bleibt mir noch Zeit für ein Sonnenbad im Whirlpool und einen Blick in die Zeitungen.
Früher gab es ja mehr Gelegenheiten über das Gute und Schöne zu sprechen, doch, gleichgültig wo ich in den vergangenen Wochen auch war, in diesen Tagen spricht man über die "Krise". War es vor kurzem noch Griechenland, so sind es jetzt die "Flüchtlinge", wie man diese Leute, die die Grenzen überrennen, zu benennen pflegt.
Wie ich gerade lesen konnte haben sie in Zukunft eine „Residenzpflicht“ in einem Landkreis. Zuwanderer residieren also – besser kann man es nicht sagen, was beabsichtigt ist.
Das Wort "Krise" in Dauer zu verwenden ist ja wohl eher a false promise.
Wenn meine Gymnasialzeit nicht ganz umsonst war, kommt das Wort "Krise" aus dem Griechischen und beschreibt eine, wenn auch problematische Entscheidungssituation, die jedoch mit einem Wendepunkt verknüpft ist.
Eine dauerhaft negative Entwicklung, in der keine Wende zum Positiven angestrebt wird, in der die "Krise" lediglich vertagt, ausgesessen werden soll, nennt man wohl eher eine Katastrophe. Das Wort kommt ja auch aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie Niedergang.
Am 06.11.2015 war im SPIEGEL die Schlagzeile "Lehrerverband "warnt" Mädchen vor Sex mit Muslimen" zu lesen und nahm Bezug auf einen Text von Dr. Jürgen Mannke, Vorsitzender des Philologenverbandes Sachsen-Anhalt, der schrieb:
"Viele der Männer kommen ohne ihre Familie oder Frauen und sicher nicht immer mit den ehrlichsten Absichten. Legt man unsere ethischen und moralischen Vorstellungen an, werden die Frauen in muslimischen Ländern nicht gleichberechtigt angesehen und oft nicht gerade würdevoll behandelt.
Es ist nur ganz natürlich, dass diese jungen, oft auch ungebildeten Männer auch ein Bedürfnis nach Sexualität haben. Vor dem Hintergrund ihrer Vorstellungen von der Rolle der Frau in ihren muslimischen Kulturen bleibt die Frage, wie sie, ohne mit den Normen unserer Gesellschaft in Konflikt zu geraten, ihre Sexualität ausleben oder Partnerschaften in Deutschland anstreben können.
Mit einer undifferenzierten Willkommenskultur können wir diese Probleme nicht lösen und es gibt viele Frauen, die als Mütter heranwachsender Töchter die nahezu ungehemmten Einwanderungsströme mit sehr vielen Sorgen betrachten. Schon jetzt hört man aus vielen Orten in Gesprächen mit Bekannten, da ß es zu sexuellen Belästigungen im täglichen Leben, vor allem in öffentlichen Verkehrsmitteln und Supermärkten, kommt."
Der Mann hat ganz vernünftige Ansichten und wenn ich persönlich ja keinerlei Berührungen mit solchen Unterschichtsproblemen habe, so haben mir einige junge Damen diesbezüglich auch schon manches aus vertrauenswürdigen Quellen berichtet.
"…die Vorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion, Claudia Dalbert sagte: "Das bedient Vorurteile und den rechten Rand.", stand es weiter im SPIEGEL.
So schreibt am selben Tag die FAZ über die Zustände in den muslimischen Lagern, daß "Frauen und Mädchen Opfer sexueller Gewalt sind, und zwar nicht nur in Einzelfällen." und "Die Mißstände, das geben Hilfsorganisationen inzwischen offen zu, haben ein inakzeptables Ausmaß erreicht. Von einer hohen Dunkelziffer sexueller Gewalt ist die Rede."
Das gesellschaftliche Klima in Deutschland scheint hochexplosiv. Eine andere Meinung zu haben gilt plötzlich als undemokratisch und beinhaltet schon eine Art Anfangsverdacht zu den Schlechten zu gehören.
Ob nun Frau Claudia Dalbert oder allen voran die CDU Vorsitzende, es scheint jenen vordergründig darum zu gehen die Wahrheit nicht sagen und anerkennen zu wollen, nur um ihr Geschäft, ihre Bêtise, weiter betreiben zu können.
Womit ich wieder auf meine Gäste zurückkomme, die ich erwarte.
Alessandro war der Meinung, bevor wir uns so ganz unseren Vergnügungen hingeben wäre es doch sicher ein anregendes Thema einmal über die Dummheit zu sprechen, so ganz im Allgemeinen.
Nun ist die Dummheit als solche ja nicht Neues, nur wer sie heute z.B. auf die deutsche Willkommenspolitik anspricht läuft Gefahr an den Pranger gestellt zu werden. Gültigkeit scheint nur noch die verordnete Deutsche Einheitsmeinung zu haben.
Ein Gustave Flaubert hatte es da noch etwas leichter als er in einer künstlerischen Abrechnung zu diesem Thema schrieb und sich mit dem Bourgeois, dem Klerus und den damals neuesten Medien, beschäftigte.
"Ich fühle Fluten des Hasses gegen die Dummheit meiner Epoche in mir, die mich ersticken. Die Scheisse steigt mir in den Mund wie bei einem verklemmten Bruch. Aber ich will sie aufbewahren, hart und fest machen. Ich will einen Teig daraus formen, mit dem ich das 19. Jahrhundert beschmieren werde, wie man indische Pagoden mit Kuhfladen vergoldet", schreibt er einmal an Louis Bouilhet (30. 09. 1855)
Den gegenwärtigen deutschen Komödienstadl will ich für mich als Anregung verstehen zur anspruchsvollen Literatur zurückzukehren.
Eine wundervolle ironische Beschreibung wie Intelligenz sich zu Dummheit wandelt, beschreibt G. Flaubert in der "Education sentimentale".
Wenn man die gegenwärtige Bundesregierung betrachtet, wie die anderen, die die Häuser anzünden, so scheint es einen wechselseitigen Verdummungsprozeß zu geben. Man steckt einander mit der Dummheit an, trifft sich auf den Gemeinplätzen der Medien.
Leonhard aus München ist zur Nuru-Massage gekommen, bitte entschuldigen Sie.

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