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Ephemere

Wenn Träume fliegen lernen

Meine neuen HIGH HEELs stehen auf dem kleinen Tisch im Schlafraum; solange ich sie nicht auf der Straße getragen habe und die Sohlen noch so schön schwarz und blank sind, daß ich sie auch im Bett tragen kann, lasse ich sie gerne einfach im Raum stehen wie kleine Kunstobjekte für meine Füße. Arte Povera? Der Zauber wirkt! Mancher meiner Gäste mag das. René zum Beispiel hat es nicht nur gern, wenn ich ihn in hohen Schuhen empfange und sie während seines Besuchs die ganze Zeit trage, sondern empfindet es als erotische Bereicherung. Er sagt der Duft des Leders inspiriere ihn bei seinen Betrachtung des weiblichem Körpers.
Im Bett zieren sie mich und vermitteln mir und meinem Gast ein gesteigertes Erleben in der außergewöhnlichen Situation, in die wir uns beide hineinbegeben. Sie geben einfach einen kick! Das Gefühl der sexuellen Erweiterung funktioniert natürlich nur mit einem Paar Schuhen von bestimmtem Niveau. So sind die HIGH HEELs ein kleiner Vorschuss von mir, wenn René später am Abend kommen wird.

Also bin ich ganz froh meine neuen HIGH HEELs nicht gleich endgültig unterbringen zu müssen. Schon der letzte Einkauf machte es notwendig die Schuhe näher zusammenzustellen, aber hinlegen kommt auf keinen Fall in Frage; es wäre scheußlich die kleinen Schmuckstücke aus Platzmangel, jeglichen ästhetischen Anblicks beraubt, stapeln zu sollen. Ich werde mit Lorenzo sprechen, dem charmanten, kleinen Faktotum, ob er mir behilflich sein kann. Das neue Paar verursacht mir wirklich ein Platzproblem in meinem Schrank .
Das ist für mich kein überflüssiger Luxus, wie der Sinn für Ästhetisches keine banale Oberflächlichkeit ist, die lediglich dem Schönen erliegt, nein, für mich sind ästhetische Impulse immer wieder Anlaß dem Leben einen weiteren Grad kultureller  Verfeinerung hinzuzufügen, der ohnehin nur authentisch ist, wenn die darunter liegenden Inhalte gedanklich vollzogen sind. Sicherlich kann man eine Jacke von Yōji Yamamoto  ohne Innenfutter mit ausgefranstem Saum als launische Attitüde tragen, dabei ist es aber vorteilhaft zu wissen, daß man gerade auf einen Saumabschluß mit Umbug verzichtet hat.

Es geht ja hier schließlich nicht nur um das subjektive Gefühl, daß etwas als ästhetisch empfunden wird.
Ebensowenig will hier Kants Theorie zum Ästhetischem Urteil  ausbreitet sein,  die "das Gefühl zum Gegenstand hat, welches das »harmonische Spiel der beiden Erkenntnisvermögen der Urteilskraft, Einbildungskraft und Verstand, im Subjekte bewirkt« .
Für mich ist es vielmehr eine Art psychologische Exposition in Verbindung mit der experimentellen Erfahrung sich und die Objekte in gestaltender Weise so zu beeinflussen, daß sie als unmittelbar lustvoll empfunden werden können.


Bis der Mann meiner heutigen Neigung, René, kommt habe ich noch ein bißchen Zeit. Es sind ja vielmehr sind seine Vorlieben, die ihn zu mir führen; bei mir kann er sich von des Geschäftigkeit seines Alltags entspannen und er erhält jene Art der besonderen Aufmerksamkeit und Interesses, die nur zu erfahren ist, wenn man ein Leben außerhalb führt.

Die wohltuende Mittagswärme läßt es zu draußen ein wenig lesen. Ein Buch und ein großes Glas "Püro", Pierre hat es mir aus Frankreich mitgebracht, sind eine gute Einstimmung auf René - alles aus Frankreich.

Welches Vergnügen werden wir uns heute gegenseitig wieder bereiten?
Wenn Gäste wiederkommen, verstehe ich das als persönliches Kompliment an mich, daß meine freudvolle Gesellschaft geschätzt wird und………. nicht nur sie. Zudem entwickelt sich bei den Wiedersehen ein bemerkenswerter Hauch von Intimität, der  seine eigene Qualität besitzt, aber die notwendige Distanz nie überschreitet.
Zum anderen haben die Begegnungen ganz praktische Gründe, daß ich nämlich auf ihren Flugrouten über Europa leicht anzutreffen bin. Mein Haus hier, im Tessin, erscheint manchem auf den ersten Blick etwas abgelegen, doch schätzen meine Besucher die unaufdringliche Lage und damit die Freiheit von gewohnter Aufmerksamkeit. Ferner sprechen die kurzen Distanzen zu den Airports für sich, sei es Lugano, Mailand oder Zürich.

Mein Hausmädchen überreicht mir gerade die Ausgabe der französischen Vogue, die sie mir bei ihren Besorgungen vom Bahnhof Lugano mitbrachte. Die neuesten  Modetrends sind nicht gerade fesselnd, zumal sich alles nur um Wintermode dreht, also viel Stoff, wenig nackte Haut.

Obwohl bereits November, kann ich hier auf meiner Liege noch ohne beengende Kleidung liegen - ein äußerst angenehmes Gefühl. Meine boobs sind unbedeckt und  beim Betrachten der Modebilder genieße ich es mit den kleinen Bijous, die meine Brustspitzen zieren, zu spielen und dabei an René zu denken……
Sie werden auch dieses Mal wieder eine unwiderstehliche Einladung an ihn sein.
"Brustknospen knabbern, hast das gern?", war  eine seiner Fragen als wir das letzte Mal zusammen waren. Er spricht eine sonderbare Mischung aus französisch und  englisch. Am charmantesten ist es, wenn er nur noch in seiner Muttersprache, französisch, spricht, das beste Zeichen, daß er locker ist und sich bei mir wohl fühlt.

René hält sich oft lange Zeit in den USA auf und genießt bei seinen Aufenthalten die europäischen Gepflogenheiten, die  anteilnehmende Herzlichkeit, wie er sie umgekehrt in den USA vermisst. Wie sagte er neulich?
"Wechselgeld kann man jederzeit bekommen, aber keine Worte des Mitgefühls. Für Menschliches bekommt man eine Krankenhausempfehlung oder Aspirin." Umso mehr schätzt er mich als interessierte Zuhörerin.
Apropos hören.

Ein tief dröhnendes Triebwerksgeräusch nähert sich und durchkreuzt meine bisherige sinnliche rêverie mit René. Ein Helikopter fliegt über´s Haus und landet unweit von meinem Ruhe- und Erregungsort auf einer nahe gelegenen Wiese.

Es ist eine jener schweizer Eigenheiten seinen Wohlstand in aller Bescheidenheit zu zeigen, indem man Baustoffe für die Villenrenovierung, größere Möbelstücke oder den Swimmingpool auf dem Luftweg anliefern läßt. Die kleinen Guccis mit ihren dezenten Anwesen in den Hügeln zwischen Lago Maggiore und Lago di Lugano leisten sich dieses Vergnügen:  300.- CHF pro Helikopterflugstunde -  man könnte auch in Sinnlicheres investieren!

Das wird jetzt vermutlich die nächsten Stunden so weitergehen: Heli steigt auf, fliegt am Haus vorbei zum höher gelegenen Grundstück und liefert dort das Paket ab, kommt abermals mit dem leer pendelndem Seil zum Assistenten zurück, der es entgegennimmt und erneut Frachtgut daran hängt. Was ich aus der Ferne erkennen kann, sieht so aus als liegen noch mehrere beeindruckende Einheiten an Transportgut auf dem LKW und sogar ein Klavierflügel. Das wird sicher gut aussehen, wenn der dunkle Flügel unterhalb vom roten Helikopter in die Hügel entschwebt, flüchtig wie ein einziger Ton. Musikinstrumente gehören nicht umsonst zu den Vanitas- Symbolen.

Etwas unschlüssig, ob ich die plötzliche Unruhe ertragen will oder, ob ich bei meinem Amüsement bleibe und die entfachte Unruhe in meinem Körper in Erwartung von René bekräftige, entscheide ich mich für die Fortsetzung meiner lustvollen Phantasie.

Das Turbinengeräusch des Transporthelikopters inspiriert mich, ich könnte den Piloten - im Tessin darf ich unterstellen, daß er ein Mann ist - durch meine Freizügigkeit so neugierig machen und derartig verwirren, daß er bei den nächsten An- und Abflügen den Umweg über meine Terrasse fliegen würde.

Nackt auf der Sonnenliege wie ein dolcetto nella vetrina biete ich ihm meinen blonden Schoß mit gespreizten Beinen unter sattem Himmelsblau an.

Das tiefe bassartige Geräusch der laut hämmernden Rotoren beim Abheben erweckt erregende Gefühle und treibt mich an. Ich weiß ja von mir, daß ich für tiefe Frequenzen sehr ansprechbar bin. Sie dringen in meine Eingeweide, versenken sich in meinen Leib und ich werde von ihnen gefesselt. Etwa so  ähnlich, wir mir einmal beim einem life Konzert ein neben mir stehender Stones Fan sagte, indem er mir seinen Ellenbogen in die Rippen knuffte: "Na, die Bässe packen Dich auch an den Eiern, oder?"
Wie die wuchtigen tieffrequenten Töne meinen sensiblen Körper in Schwingung versetzen, so wirken auch die heftigen Luftbewegungen und sorgen für ein Beben in mir als würde mir tatsächlich eine taktile Berührung widerfahren. Sie jagen mir einen Erregungsschauer über die Haut.
Dann bringt mich meine Phantasie soweit, daß ich plötzlich im Helikopter sitze, den blanken Hintern auf den dunklen, heißen Sitzen, so daß es kurz auf der Haut brennt, ich mit der Haut festklebe, die Gurte sich fest, sehr fest über meinen Brüste spannen und beim Start meine Finger unruhig zwischen meinen Beinen spielen.

So beflügelt von der Idee genau in dem Moment kommen zu wollen, in dem der Helikopter zum Start in die Luft abhebt, steigert sich mein Verlangen. Die Turbinengeräusche sind jetzt noch lauter, die  Startenergie überträgt sich auf alle Sinne, mein Wohlbefinden, die Überwachheit und zunehmende Lust breiten sich aus bis sich die Gleichzeitigkeit meines körperlichen Höhepunkts wie das Abheben des Flugkörpers in kraftvoller, heftiger Erregung vereinen.

Beim Verlassen der Kabine nimmt der Pilot überrascht wie freudvoll einen kleinen, feuchten Fleck auf dem Sitz seines Helikopters zur Kenntnis; sein Blick trifft sich mit meinem und wir stecken uns beide mit  einem lustvollen Lachen von charmanter Provokation an. Hic habitat felicitas!

Mit einem zärtlichen Kuß weckt mich mein Hausmädchen aus meinen Tagträumereien.
"René wir bald kommen," sagt sie. Ich will mich vorher noch ein wenig abtrocknen, meine Lippen rot nachziehen und ihn mit einem carioca bra überraschen, den er in den letzten Wochen sicher nicht in den USA zu sehen bekommen hat.

Abends, wenn es wieder kühler wird, werden wir vor dem offenen Kamin einige der frischen dolci  zu uns nehmen - die Jahreszeit ist dazu angetan.



Kommentare

  1. werte objectbe, das mit den helikoptern ist hier am hang ähnlich, nur eben 2 stunden nördlich von ihnen am see...........nur dass wir sie auch als lustvolle objekte erkennen könnten oder sollten ist mir neu............ich lerne eben nimmer noch dazu.............danke für die kommentare zu H.Bö. und zu tee und holundersaft.........ganz herzlich mit gruss in die nacht..........!!

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