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Ephemere

LustVorhaben

HIGH HEELS sind meine Leidenschaft. Ich liebe sie.
Sie machen, daß ich mich gut fühle.
Wenn sie Qualität haben, dann sind sie luxuriös und von gewissem Komfort, das sagt man nur nicht laut. Die meisten Männer freut es, wenn man sich ihretwegen in dem hohen Schuhwerk ein bißchen quält, das die Füße so wunderbar inszeniert. Sie zu tragen verursacht aber nicht jene Art von Schmerz, der mein Vertrauen in meinen Körper untergräbt. Es ist kein Schmerz, der mich vor mir selbst herabsetzt.
Vielmehr ist er eine Attitude zur Idealisierung.
Meine Beine sind dann besonders lang und sexy. Ein bißchen wie bei einem jungen Fohlen.

Schon allein der Einkauf in der Via San Andrea ist eine Choreographie:
Deine Augen streifen über die Präsentationsfläche, Schuh an Schuh, einer unauffälliger als der andere. Dann bleibt Dein Blick hängen, Du siehst sie, sie springen Dich an!
Sie, die von besonderer Höhe, außergewöhnlicher Form und von ausgewähltem Material sind. Deshalb fühlst du dich hingezogen; sie verursachen den Kick im Bauch, rufen in dir das Kribbeln hervor, das du suchst - sie könnten die Richtigen sein, sie passen zu dir. Es ist ihr Hauch von Extravaganz, der sie außergewöhnlich macht und deshalb stehen sie noch dort auf dem Glassockel. Daher hat sie noch keine andere Frau gekauft.
Sicherheitshalber scannst du noch einmal die umstehenden Stilettos, Sandalen, Pumps und Deux-Pieces. Nichts, sie wären die erste Wahl.
Dann entschließt du dich dem Verkäufer deinen Wunsch zu offenbaren sie anprobieren zu wollen. Nicht, daß es eine Beichte wäre oder Beschämung damit verbunden wäre den Wunsch zu äußern, aber die Mischung aus Überraschung, Neugier und Wollen lassen dein Herz fühlbar schneller schlagen, fast hörbar laut bei der Vorstellung wie es das erste Mal sein wird………wenn du in sie hingleitest, wie sie sich an deinen Füßen anfühlen werden, das versetzt dich in schwindelige Unruhe. Werden sie sich einfach anschmiegen oder widerspenstig deinem Fuß entgegenstellen. Werden sie ihr Versprechen dir ausreichend Genuß zu bieten einlösen?
Es dauert endlos lange, bis die dunkle Anzughose mit weißem Hemd endlich aus dem Magazin zurückkehrt, den nachtschwarzen Karton auf seinen Händen balancierend, dich anlächelnd bittet auf dem Lederwürfel Platz zu nehmen. Mit Vergnügen setzt du dich, ziehst deine Stiefeletten aus, sehr langsam, sehr bewußt. Schließlich trägst du ja schon vergleichbar hohe Schuhe und weißt wie man sie am besten vom Körper streift, die körperwarmen Begleiter der Stunden und des Wegs hierher.
Währenddessen kniet die männliche Bedienung vor Dir, holt die neuen, glatten Schuhe mit ihrer absolut blanken Sohle aus dem Seidenpapier, öffnet ihre Schnürung, weitet den Schaft, bereitet sie vor, auf dich, damit du das erste Mal leicht hineingelangen kannst. Dabei schiebst du dein Kleid ein wenig höher als notwendig, das gibt ihm Gelegenheit deinen Duft zu wahrzunehmen.
Behutsam zieht er die Schnüre fest, als würde er deine Corsage binden, dabei schaut er dich von unten mit fragendem Blick an, nach Bestätigung suchend, dein Wohlbefinden erwartend und du beantwortest ihm seine ungestellte Frage mit einem Lächeln. Es ist ein breites, einladendes Lächeln, das unentschieden ist zwischen dem Glücksgefühl in den neuen Schuhen stecken und der leichten Erregung seiner sinnlichen Hilfestellung.
Dann legt er dir behutsam die Riemchen um den Rist, ungefragt ein bißchen enger als nötig, aber auch nachher umso hübscher anzusehen. In einem verwegen aufreizendem Handgriff streichst du von den Fesseln an aufwärts deine Seidenstrümpfe glatt. Daran sieht er, daß du bereit bis für den ersten Schritt, bietet dir seine Hand zum Aufstehen an und ………..nun siehst du dich zum ersten Mal im raumhohen Spiegel, die kleinen Lustobjekte an deinen Füßen. Du gefällst dir - sehr.
Es ist aufregend, dir ist schwindelig in diesem Moment der Defloration, in der du der männliche Part bist, der Eindringende, der die Lust in der Enge des Leders sucht, in der Widerständigkeit und Bockigkeit des ungetragenen Schuhs seinen Platz einfordert, der sich den neuen Raum einfach nimmt, um dann die ersten ungewohnten Schritte darin zu wagen. Der spezielle Gang fordert dich heraus. Es ist als würde der Kniefall des Bedienenden zuvor beim Anprobieren mit deinem künstlich geschaffenem aufrechten Gang in den HIGH HEELS korrespondieren.
In der Erhöhung der Körpergröße verändert sich nicht nur dein gesamtes Erscheinungsbild, nein, mit jeder wiegenden Hüftbewegung zeigen sich Brüste und Hintern in der veränderten Körperhaltung auf ganz besondere Weise. Dein Spiegelbild erotisiert dich. Der hohe Absatz strahlt jene Stärke aus, die du in dir fühlst, diesen provozierenden Vitalismus, der im Reiz liegt wieder einmal eine passendes Object in der Welt der Dinge gefunden zu haben, das dir die Fortsetzung der Selbstgestaltung gestattet.Jetzt leuchtet dir geradezu anschaulich, körperlich fühlbar ein, daß Absatzschuhe ihre Herkunft aus der Bestimmung ableiten dem kämpfenden Reiter im Steigbügel stehend Halt zu gewährleisten und ihm damit einen höheren Ausblick zu gewähren. Die Aussicht auf die Freuden dich darin zu bewegen und zu zeigen ist großartig. Eine erste Bestätigung geben dir die umstehenden Kunden im Shop, die sich nach dir umsehen, wie du dich in deinem engen Lederkleid durch den Raum bewegst, zu dem die neuen HIGH HEELS perfekt passen. Der Bedienende lächelt dich aufmunternd an und du siehst an seinem Blick, daß die Begeisterung mehr ist als nur eine Professionelle. Ein weiterer Blick in den Spiegel läßt auch keinen Zweifel mehr zu.
Sie sind es! Sie sollen dein werden! Du wirst sie lieben.
Die monumental-lächerliche Frage, ob du sie dir leisten willst oder nicht stellt sich dir trotz des abenteuerlichen Preises nicht.
Du fühlst dich zu ihnen hingezogen, sie schmiegen sich an deinen Fuß - und wenn nicht, dann wirst du sie willig machen.
Du willst sie.
Sie dienen der Verwirklichung deiner inneren Natur, und daher wirst du sie aus dem Laden entführen. Die Bezahlung ist dann nur noch langweilige Routine. Lediglich bei der Übergabe des schwarzen Umschlags mit der Rechnung streifen seine Finger wie zufällig die deinen als wollte sich der zuvorkommende, kniefällige Verkäufer dezent von seinem erschaffenen Kunstwerk verabschieden.
ZUHAUSE
Die schwarze Schuhschachtel in der gleichfarbigen Tüte verschwimmt erst einmal im entree mit der Dunkelheit des Hauses. Immer vergesse ich das Licht im Eingang brennen zu lassen, weil ich mich den Sommer über daran gewöhnt hatte, daß es nach meinen Einkäufen noch hell ist und ich die Verabredung mit dem Elektriker immer wieder verschoben habe, der mir den Bewegungsmelder einbauen wollte.
Bei Licht besehen mit einem Glas Champagner schäumt meine Stimmung über und über, mein Herz schlägt höher als die Absätze meiner HIGH HEELS als ich sie endlich aus dem Seidenpapier entblättere und sie auf dem Laccio-Tischchen als ready mades für mich ausstelle.
Dann entschließe ich mich sie sofort noch einmal anzuziehen. Auf dem Bett liegend, mit dem Champagnerglas und klassischer Musik gebe ich mich leicht betört dem Tagträumen hin. Es gefällt mir im Spiegel meinen nackten Körper anzusehen, der umso nackter wirkt je auffallender mein High Heel aussieht mit seinen Schnürsenkeln, Riemen und Metallschnallen.
Das kräftige Schwarz des Leders läßt meine sanfte Sommerbräune besonders hervortreten, dabei sehe ich unendlich langbeinig aus, fast fragil.
Selbstvergewissernd sucht sich meine Hand den Weg zwischen meine feuchten Schenkel; einkaufen erregt mich, es macht mich heiß wieder mal eine andere zu werden, mich ungewohnt zu erleben, auf´s Neue in überraschender Weise zu spüren. Die Finger gleiten hin und her, suchen sich ihren Weg in die Tiefe, reiben im Feuchten. Das Seidenkissen zur Rolle gewickelt reibe ich mich an ihm und denke dabei ich an den servilen Verkäufer, wie er mir half den Schuh über den Fuß zu stülpen und dabei meine Fessel umfaßte. Ein warmer, fester Griff, unerwartet, unverschämt , ungemein erregend; seine ungezogene Berührung macht mich jetzt noch an. Schneller und heftiger werden meine Bewegungen, die HIGH HEELS blitzen im Spiegelbild auf und der prickelnde Alkohol läßt mich unverdrossen die bewegten Episoden des Einkaufs aneinanderreihen, bis sie sich intensiveren, was mir mein Körper mit guten Gefühlen dankt.
Wer weiß? Vielleicht heißt deshalb ein bekannter HIGH HEEL Nudist?

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