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Es werden Posts vom November, 2015 angezeigt.

«J'appelle Ange, celui qui porte la Lumière.»

Ephemere

Wenn Träume fliegen lernen

Meine neuen HIGH HEELs stehen auf dem kleinen Tisch im Schlafraum; solange ich sie nicht auf der Straße getragen habe und die Sohlen noch so schön schwarz und blank sind, daß ich sie auch im Bett tragen kann, lasse ich sie gerne einfach im Raum stehen wie kleine Kunstobjekte für meine Füße. Arte Povera? Der Zauber wirkt! Mancher meiner Gäste mag das. René zum Beispiel hat es nicht nur gern, wenn ich ihn in hohen Schuhen empfange und sie während seines Besuchs die ganze Zeit trage, sondern empfindet es als erotische Bereicherung. Er sagt der Duft des Leders inspiriere ihn bei seinen Betrachtung des weiblichem Körpers.
Im Bett zieren sie mich und vermitteln mir und meinem Gast ein gesteigertes Erleben in der außergewöhnlichen Situation, in die wir uns beide hineinbegeben. Sie geben einfach einen kick! Das Gefühl der sexuellen Erweiterung funktioniert natürlich nur mit einem Paar Schuhen von bestimmtem Niveau. So sind die HIGH HEELs ein kleiner Vorschuss von mir,…

«J'appelle Ange, celui qui porte la Lumière.»

Ephemere

Chateau de la Chevre d'Or

Die Bar des Chateau de la Chevre d'Or ist ja nicht so ganz mein Geschmack und erinnert mich mehr an einen Rittersaal in einem Historienfilm. Doch einer freundlichen Einladung folgt man gerne und man bewegt sich hier schließlich ein wenig auf historischem Boden. Nietzsche soll hier einen Teil seines "Also sprach Zarathustra" geschrieben haben.
Meine Erinnerungen zu Nietzsches Zarathustra sind etwas fragmentarisch geworden, mußte ich mir selbst eingestehen. Vielleicht, weil doch stets wieder von neuer Tagesaktualität kam mir als erstes in Erinnerung, daß Nietzsche in diesem Buch den Staat als die Institution beschreibt, die den Menschen gleichmacht und seine Individualität bedroht.

Die vergangenen Tage verdeutlichten doch wieder wie wichtig es ist an seinen Werten festzuhalten und sie auch zu leben. Da laufen Irre wild herum, die sich in ihrer geistigen Verwirrung am Ende selber in die Luft sprengen und eine vom Altruismus Beseelte hat sich zur A…

«J'appelle Ange, celui qui porte la Lumière.»

Ephemere

LustVorhaben

HIGH HEELS sind meine Leidenschaft. Ich liebe sie.
Sie machen, daß ich mich gut fühle.
Wenn sie Qualität haben, dann sind sie luxuriös und von gewissem Komfort, das sagt man nur nicht laut. Die meisten Männer freut es, wenn man sich ihretwegen in dem hohen Schuhwerk ein bißchen quält, das die Füße so wunderbar inszeniert. Sie zu tragen verursacht aber nicht jene Art von Schmerz, der mein Vertrauen in meinen Körper untergräbt. Es ist kein Schmerz, der mich vor mir selbst herabsetzt.
Vielmehr ist er eine Attitude zur Idealisierung.
Meine Beine sind dann besonders lang und sexy. Ein bißchen wie bei einem jungen Fohlen.

ZEIT.geschehen

Traumfrau

Früher war es schöner. Ja, das meine ich wirklich. Es war vor gar nicht so langer Zeit nahezu zum Ritual geworden nach unseren kleinen Gesprächs- und Vergnügungsabenden am Mittag des darauffolgenden Tages noch zu einem gemeinsamen Essen nach Lugano zu fahren. Leider ist das unmöglich geworden. Nein, nicht wegen der eigenwilligen Verkehrsführung, die den Weg in das Parkhaus zum Abenteuer werden läßt, sondern wegen der dortigen Videoüberwachung.

Das Zentrum der Stadt ist zum Panoptikum geworden wie von Foucault beschrieben. Lugano dürfte die höchste Dichte an Überwachungskameras in der Schweiz haben. Meine Gäste haben früher ja auch noch den einen oder anderen Tag in dieser schönen Stadt zum Einkaufen oder im Hotel verbracht, doch heute fahren sie lieber die 70 km nach Mailand, wo man auch freundlicher ist und so haben wir es heute mit unserem kleinen Abschiedsessen auch gehalten.

Unsere Persönlichkeiten sind nicht geschaffen dieses Prinzip der eigenen Unterwerfung einfach hin…

«J´appelle Ange, celui qui porte la Lumière.»

ZEIT.geschehen

Komödienstadl

Die Katastrophe ist die wahre Ressource des Tessins, was aber ein vollkommen subjektiver Eindruck ist, denn für die Menschen hier mag es Tradition sein oder einfach nur Normalität. Ich will eigentlich nur zügig nach Hause fahren.
Autobahnausfahrt Lugano Nord in Richtung Ponte Tresa. Seit 10 Jahren Stau. Hier im Tessin hat die Lega dei Ticinesi das Sagen. Eine politische Partei die, na wie soll ich sagen, etwas weiter rechts als die Schweizer SVP, anzusiedeln ist.
Einem auch nach 10 Jahren Fremden wie mir, einer straniera (dieses Wort wird hier überwiegend im Pejorativ verwendet) erscheint die hier vorherrschende Normalität als Problem. Zuviele Menschen scheinen alles dafür zu tun, daß das existierende System möglichst lange bestehen bleibt.
Aber was den Stau betrifft, bekam ich nahezu halbamtlich von der NNZ die Bestätigung als sie in ihrer Ausgabe vom 06.11.2015 schrieb:
"Ein Kenner der Verkehrssituation meint zerknirscht, dass die kantonalen Strassen im Grunde no…

«J'appelle Ange, celui qui porte la Lumière.»

ZEIT.geschehen

Verrauchte Momente

Die 4 Kilometer vom Flugplatz ins Zentrum sind eigentlich keiner Erwähnung wert, doch heute, die Folgen eines Unfalls werden gerade beseitigt, zieht sich die sonst kurze Fahrt in die Länge. Ich habe noch die wunderschönen Bilder vor Augen, die ich mir in der Ausstellung „Splendeurs et misères - Images de la prostitution“ im Musée d’Orsay noch vor meiner Abreise angeschaut habe.
Mein Weg führt mich heute nach Cologny, ein wenig außerhalb von Genf. Ein kleiner, beschaulicher Ort abseits dieser doch etwas eigenartig gewordenen Stadt, die nach meinem Empfinden mehr von ihrer glücklichen Geschichte lebt und deren Gegenwart zunehmend mehr von Identitätslosen, schwarz Verhängten abhängig ist, die sich von einem Luxusgeschäft zum anderen, hinter einem kleinen Pascha wie eine Kamelkarawane in der Wüste, bewegen. Architektur und Kultur werden zur Kulisse für arabischen Kommerz, der die Stadt am Leben erhält. Eine schmerzhafte, wie bedauerliche Entwicklung.
Ich war in freudvo…

Ephemere

Aus der Ferne zusehen

In diesen Tagen rund um Allerheiligen wird hier in der Konditorei die lombardische Variante der „Pani dei Morti“ angeboten. Sie liegt an der kleinen Piazzetta neben der Café Bar und ich beschließe einige der dolci zu kaufen, die verlockend in der üppigen Auslage auf einem Glasteller liegen, neben feinen Torten, Früchtekuchen und Konfekt. Nicht, daß sie mit der des Marchesi in Mailand vergleichbar wäre, aber die Atmosphäre des historischen Gebäudes zusammen mit dem süßen Backwerk erinnert mich daran.
Nicola, der Chefkonditor bedient mich höchst persönlich und fühlt sich durch meine Gegenwart sichtlich herausgefordert. So erzählt er mir ausführlich von den unterschiedlichen Varianten der pani, die früher selbstverständlich in jeder Familie zuhause gebacken wurden: mit Pinienkernen, Mandeln oder getrockneten Feigen, je nach Wohlstand oder auch nur trockene Kekse mit Amaretto. Das Gebäck würde den Seelen der Verstorbenen serviert werden, die jedes Jahr direkt aus dem J…

VER.dichtung